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Eine Studie der Uni Graz zeigt: Imkerinnen und Imker helfen der Wissenschaft als Citizen Scientists

IMG_20190425_093020_1 Beprobung von Bienenvölkern um die Umwelt zu erforschen

Citizen Science ist heutzutage in aller Munde, obwohl die Frage der Definition keine Leichte ist. Die wichtigsten Punkte umfassen die Rekrutierung und das Training (oder Anweisen) von Freiwilligen – so genannten Citizen Scientists. Grundsätzlich hat Citizen Science in der Entomologie und insbesondere in der Erforschung von Honigbienen und Hummeln, eine lange Tradition, jedoch wird dieser Begriff dafür erst relativ kurz verwendet.

Eine frisch erschiene Publikation von Biologen der Uni Graz behandelt zum ersten Mal die Frage, was insbesondere Imkerinnen und Imker motiviert an einer Citizen Science Studie teilzunehmen. Diese Gruppe von Citizen Scientists, die allesamt an der INSIGNIA Studie teilnahmen, wurde gefragt, was sie sich von der Teilnahme erhofften, welche Aspekte in der Kooperation mit Forscherinnen und Forschern leicht oder schwer fielen und ob sie einen Mehrwert in der Teilnahme sehen.

Bei INSIGNIA handelt es sich um ein EU teilgefördertes Projekt (ret PP-1-1-2018), das sich zum Ziel gesetzt hat mit Hilfe von Imkerinnen und Imkern als Citizen Scientists und deren Bienenvölkern Europas Umwelt auf Schadstoffe und auf Pollendiversität hin zu untersuchen.

Das Projekt kann in zwei große Teile gegliedert werden. Zunächst eine Art Pilotstudie von Mai bis September 2019, bei der insgesamt 17 Imkerinnen und Imker aus vier europäischen Ländern (Österreich, Dänemark, Großbritannien und Griechenland) mit je drei Bienenvölkern teilnahmen. Ziel war es hier aus vier möglichen nicht-invasiven Probenahmetechniken die Besten herauszufiltern. Teil zwei des Projektes war eine Weiterentwicklung basierend auf den Erfahrungen des Vorjahres und fand ebenfalls von Mai bis September statt. Insgesamt 82 freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 europäischen Ländern (die vier genannten, sowie Belgien, Norwegen, Italien, Lettland, Frankreich, Irland) nahmen daran teil und untersuchten mit je zwei ihrer Bienenvölker die Umwelt.
Aufgaben der Imkerinnen und Imker inkludierten die im Abstand von zwei Wochen stattfindende Probennahme an je zwei Bienenvölkern, sowie die regelmäßige online Dokumentation über die Probennahme, etwaige Vorkommnisse, und zum jeweiligen Zeitpunkt blühende Pflanzen im Umkreis, Lagerung sowie Transport der entnommenen Proben, sowie eine freiwillige Umfrage am Schluss der Saison 2020, auf der die Ergebnisse der jetzigen Publikation beruhen.

Was haben wir von den Citizen Scientists gelernt?

Zum einen handelt es sich bei den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern um erfahrene Personen. Das Durchschnittsalter war 55 Jahre und die Citizen Scientists hatten im Schnitt 20 Jahre Erfahrung in der Bienenhaltung. Ebendiese spiegelt sich auch in der Anzahl der betreuten Völker wieder. Obwohl die absoluten Zahlen zwischen 3 und 320 schwanken, wurden zum Zeitpunkt der Studie durchschnittlich 70 Völker betreut.

Als wichtigste Gründe für die Teilnahme an der INSIGNIA Studie wurde die Unterstützung der Wissenschaft und der Umwelt, gefolgt von dem Wunsch mehr über Honigbienen zu lernen genannt. Fast alle (97%) Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfanden die Aushändigung der Labor-Ergebnisse ihrer eigenen Proben als wichtigste Form der Anerkennung. Eine Imkerin bzw. ein Imker verbrachte im Durchschnitt 10.4 Arbeitsstunden für die aktive Teilnahme während einer Saison. Trotz des Aufwandes, war die subjektive Beurteilung der Schwierigkeit des Studienablaufs niedrig (2.5 auf einer Skala von 1 bis 10). Weiters ergab unsere Befragung eine hohe Weiterempfehlungsrate, sowie den Wunsch nach einer erneuten Teilnahme an ähnlichen Citizen Science Projekten.

Mit dieser Studie konnte nachgewiesen werden, welch hohes Potenzial Imkerinnen und Imker haben, um die Forschung in vielfältiger Weise zu unterstützen. Die gewonnen Erkenntnisse können genutzt werden, um die Zielgruppe besser zu verstehen und daraus resultierend zukünftige Studiendesigns zu verbessern und mehr Freiwillige zu rekrutieren bzw. deren Motivation während der Studie hochzuhalten. Ein weiterer, wichtiger Schritt für Citizen Science in der Bienenforschung ist, Bürgerinnen und Bürger vermehrt aktiv in das Studiendesign miteinzubinden, um so beispielsweise gemeinsam Foschungsfragen zu definieren und Versuchsplanungen zu entwickeln.

Das Projekt INSIGNIA endet im April, jedoch wird daran gearbeitet die Ergebnisse der Pollen- und Schadstoffanalysen alsbald zu veröffentlichen. Die aktuellen Ereignisse können im Blog auf der INSIGNIA Webseite verfolgt werden.

Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich bei den Teilnehmenden der INSIGNIA Studie für den Einsatz bedanken. Durch euch konnten wir wichtige Erkenntnisse gewinnen, die zukünftiger Forschung dienen werden.

Open Access Publikation: Gratzer, K., Brodschneider, R. How and why beekeepers participate in the INSIGNIA citizen science honey bee environmental monitoring project. Environ Sci Pollut Res (2021). https://doi.org/10.1007/s11356-021-13379-7

Blog des INSIGNIA Projekts: https://www.insignia-bee.eu/blog/


INSIGNIA Ausrüstung für Citizen Scientists
Arqus “Co-creating Citizen Science” activity
Erster MOOC zum Viel-Falter Tag­falter-Moni­toring

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Kommentare 3

Florian Heigl am Mittwoch, 24. März 2021 14:49

Vielen Dank für die Zusammenfassung eurer interessanten Studie! Da ihr extrem erfahrene Personen unter euren Citizen Scientists hattet, gab es da vielleicht auch das Bedürfnis gemeinsam neue Projekte zu entwickeln bzw. wurden eventuell sogar neue Forschungsfragen gestellt?

Vielen Dank für die Zusammenfassung eurer interessanten Studie! Da ihr extrem erfahrene Personen unter euren Citizen Scientists hattet, gab es da vielleicht auch das Bedürfnis gemeinsam neue Projekte zu entwickeln bzw. wurden eventuell sogar neue Forschungsfragen gestellt?
Robert Brodschneider am Donnerstag, 25. März 2021 09:58

Wir wollten mit der Studie die Gruppe der Citizen Science Imker einfach mal näher kennenlernen, und auch weltweit erstmals beschreiben/in den Fokus rücken. Du sagst es schon, es handelt sich um erfahrene Personen, sowohl was die Bienenhaltung betrifft, als auch ihre forschungsnahen Aktivitäten. In der von Sarah Bieszczad bei der österr. Citizen Science Konferenz gehaltenen Präsentation (Artikel sollte noch folgen) hat sich gezeigt, dass zumindest die österr. Teilnehmer die sie interviewt hat, auch in anderen Untersuchungen involviert sind. Wir haben also eine Spezialgruppe innerhalb der schon spezialisierten Gruppe der Imkerinnen. Das war für mich spannend, und hat eigentlich mein gesamtes Bild von TeilnehmerInnen an Citizen Science Projekten verändert, nämlich entgegen meiner früheren Annahme, das seien Menschen mit einem generellen Interesse - nein, das sind Menschen mit sehr speziellen Interessen, die machen nicht "nur gleich mal so mit". Auch die Vogel und Schmetterlingsbeobachter etc. sind auf Ihre Art Spezialisten. Das nehme ich mal für mich mit.

Forschungsfragen (und Infragestellung unseres Projekts) kamen auf! Wobei nicht oft genug betont werden kann, dass das gesamte INSIGNIA Projekt eine Pilotstudie ist, wie denn die Involvierung von Citizen scientists am besten funktionieren kann. Ich hoffe stark auf Folgeprojekte, jetzt müssen wir aber mal alles in den 2 Feldsaisonen erhobene auswerten...

Wegen gemeinsam neue Projekte entwickeln kann ich nur den letzten Satz der Publikation zitieren:

Our study suggests that beekeepers have a great potential to help research in many different ways. Further steps for citizen science in bee research should be to create more collaborative or co-created research projects (Bonney et al. 2009b; Koffler et al. 2021), where citizens are also involved in identifying research questions or experimental design.

Co-creation hier ist definitiv möglich, und sollte angegangen werden!

Wir wollten mit der Studie die Gruppe der Citizen Science Imker einfach mal näher kennenlernen, und auch weltweit erstmals beschreiben/in den Fokus rücken. Du sagst es schon, es handelt sich um erfahrene Personen, sowohl was die Bienenhaltung betrifft, als auch ihre forschungsnahen Aktivitäten. In der von Sarah Bieszczad bei der österr. Citizen Science Konferenz gehaltenen Präsentation (Artikel sollte noch folgen) hat sich gezeigt, dass zumindest die österr. Teilnehmer die sie interviewt hat, auch in anderen Untersuchungen involviert sind. Wir haben also eine Spezialgruppe innerhalb der schon spezialisierten Gruppe der Imkerinnen. Das war für mich spannend, und hat eigentlich mein gesamtes Bild von TeilnehmerInnen an Citizen Science Projekten verändert, nämlich entgegen meiner früheren Annahme, das seien Menschen mit einem generellen Interesse - nein, das sind Menschen mit sehr speziellen Interessen, die machen nicht "nur gleich mal so mit". Auch die Vogel und Schmetterlingsbeobachter etc. sind auf Ihre Art Spezialisten. Das nehme ich mal für mich mit. Forschungsfragen (und Infragestellung unseres Projekts) kamen auf! Wobei nicht oft genug betont werden kann, dass das gesamte INSIGNIA Projekt eine Pilotstudie ist, wie denn die Involvierung von Citizen scientists am besten funktionieren kann. Ich hoffe stark auf Folgeprojekte, jetzt müssen wir aber mal alles in den 2 Feldsaisonen erhobene auswerten... Wegen gemeinsam neue Projekte entwickeln kann ich nur den letzten Satz der Publikation zitieren: Our study suggests that beekeepers have a great potential to help research in many different ways. Further steps for citizen science in bee research should be to create more collaborative or co-created research projects (Bonney et al. 2009b; Koffler et al. 2021), where citizens are also involved in identifying research questions or experimental design. Co-creation hier ist definitiv möglich, und sollte angegangen werden!
Florian Heigl am Donnerstag, 25. März 2021 16:09

Vielen Dank für die detaillierte und äußerst interessante Antwort!

Vielen Dank für die detaillierte und äußerst interessante Antwort!
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