Aktuelle Blogger

Lisa Recnik
5 Beiträge
Ich bin Chemikerin mit einem Hang zur Wissensch...
Gudrun Gegendorfer
5 Beiträge
Gudrun Gegendorfer ist Biologin und Projektmita...
Florian Heigl
78 Beiträge
Florian Heigl ist einer der Gründer und Koordin...
Didone Frigerio
5 Beiträge
Didone Frigerio ist Verhaltensbiologin und Seni...
Natalie Eder
6 Beiträge
Natalie Eder ist Mitarbeiterin an der Österreic...

Österreich forscht ist nun barrierefrei – doch was genau bedeutet das?

sigmund-4MoIpDcSlr4-unsplas_20210729-090242_1 "Blind man using a braille screen reader", Sigmund, Unsplash Lizenz (https://unsplash.com/photos/4MoIpDcSlr4)

Nicht alle haben freien Zugang zu Information, insbesondere im Internet. Schwache Kontraste, Bilder ohne Beschreibungen oder Videos ohne Untertitel können die Internetnutzung für viele Menschen stark einschränken – doch mit ein paar Änderungen kann eine Website sukzessive für mehr Nutzer*innen zugänglich werden. Hier kommen die sogenannten barrierefreien Websites ins Spiel, deren Bekanntheitsgrad wohl noch ausbaufähig ist. Daher möchte ich in diesem Beitrag folgenden Fragen nachgehen: Was genau sind barrierefreie Websites? Wem nützen sie? Warum ist Österreich forscht überhaupt barrierefrei und wie kann die Plattform davon profitieren? Warum sollten alle Websites barrierefrei sein? 

Was ist eine barrierefreie Website? 

Aktion Mensch Deutschland1 definiert eine barrierefreie Website wie folgt: „Eine Website ist barrierefrei, wenn sich Einschränkungen beim Sehen, Hören, Bewegen oder beim Verarbeiten von Informationen nicht negativ darauf auswirken, wie wir das Web nutzen." Es soll allen möglich sein, das Web wahrzunehmen, zu verstehen, damit zu interagieren sowie selbst beizutragen.2

Konkret gibt es eine ganze Reihe möglicher Barrieren, die im Rahmen der Umgestaltung zu einer barrierefreien Website beachtet werden sollten. Zum einen können Texte eine erhebliche Barriere darstellen, wenn sie zum Beispiel schlecht vergrößerbar oder kompliziert formuliert sind, oder wenn der Kontrast zwischen Text und Hintergrund gering ist. Auch Farbfehlsichtigkeiten können die Wahrnehmung von Onlineinhalten einschränken. Bilder, Grafiken, Formulare oder Buttons können Schwierigkeiten machen, wenn sie nicht textlich mit sogenannten Alternativtexten beschrieben sind, da sie dann für Menschen mit Seheinschränkungen unverständlich bleiben. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Videos oder Audiosequenzen ohne Untertitel die größte Barriere. Insgesamt sollte eine barrierefreie Website so funktionieren, dass sie mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel einem Screen Reader (liest die Inhalte laut vor/übersetzt sie in Brailleschrift) oder einer Tastatursteuerung problemlos bedienbar ist.

Nach den EU-Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (Web Content Accessibility Guidelines, WCAG) sollten sich die erforderlichen Anpassungen an den folgenden vier Prinzipien der Barrierefreiheit orientieren:

  1. Wahrnehmbar: Textalternativen für Nicht-Text-Elemente (z. B. Bilder; diese können dann vergrößert, als Braille oder in einfacherer Sprache abgerufen werden), Untertitel, klare Struktur der Inhalte und eindeutige Beziehungen zwischen den Elementen, Kontrast zwischen Text/Bildern und Hintergrund, Vergrößerbarkeit
  2. Bedienbar: Tastaturbedienbarkeit, Reihenfolge von Überschriften, Seitentitel, eindeutiger Zweck von Links, kein/sehr wenig Blitzen (zu viele Blitze können epileptische Anfälle triggern)
  3. Verständlich: gute Lesbarkeit, Eingabehilfen, einfache Sprache, Beschriftungen
  4. Robust: Kompatibilität mit Benutzeragenten inklusive assistierender Technologien (Hilfsmittel für Menschen mit Einschränkungen: Screenreader, Braillezeile, Vergrößerungssoftware, …)

An diesen Richtlinien orientieren sich auch die Vorgaben für barrierefreie Websites in Österreich – all die oben genannten Anpassungen wurden auch auf Österreich forscht umgesetzt. Dies umfasst einerseits umfangreiche Änderungen im Hintergrund durch den Programmierer SPOTTERON sowie andererseits meine Änderungen an der Oberfläche. Hierfür habe ich mit einem sogenannten „Web accessibility evaluation tool" (WAVE) gearbeitet, mit dem man Websites auf Fehler der Barrierefreiheit überprüfen kann; die ausgeworfenen Fehlermeldungen habe ich versucht, zu beseitigen. Ein großer Teil meiner Arbeit war tatsächlich die Überschriftenhierarchie: Auf Überschrift 1 soll immer Überschrift 2 folgen usw. Auch bei Verlinkungen ist wichtig, dass beschrieben ist, wohin der Link führt, und dass keine Leerzeichen mitverlinkt sind. Außerdem habe ich mich bemüht, alle Bilder auf der Website mit Alternativtexten zu beschreiben. Auf unserem YouTube-Kanal sind wir zudem bestrebt, alle Videos mit Untertiteln zu versehen.

Am Ende dieser Seite bei den weiterführenden Links findet ihr eine genaue Auflistung der in den Richtlinien geforderten Anpassungen, von denen Österreich forscht die Stufen A und AA umgesetzt hat. 

Warum ist Österreich forscht überhaupt barrierefrei?

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Die erste und wohl ausschlaggebendste Antwort ist: das Gesetz. Seit September 2020 sind alle öffentlichen Einrichtungen in Österreich dazu verpflichtet, sämtliche Webinhalte barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Da Österreich forscht durch die Universität für Bodenkultur Wien betrieben wird, sind auch wir dazu verpflichtet. Dies legt das sogenannte Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG) fest, das auf den eben genannten EU-Richtlinien (WCAG) aus dem Jahr 2016 beruht. Daher war Österreich forscht im letzten Jahr gefordert, die Website zu überarbeiten und anzupassen. Die inhaltliche Ebene der Umstellung auf eine barrierefreie Website (es gibt natürlich auch viele Aspekte, die nur über Programmierung änderbar sind) durfte ich in den letzten Monaten zum Großteil übernehmen, doch dazu später mehr.

Vorerst möchte ich eine weitere Antwort auf die Frage „Warum?" bereitstellen: Reichweite. Etwa 1,7 Millionen Menschen in Österreich leben mit temporärer oder dauerhafter Beeinträchtigung3 (ca. 19 % der Bevölkerung!) – dazu zählen neben Menschen mit Behinderung auch: Menschen mit sprachlichen Defiziten oder Konzentrationsschwäche, die ältere Bevölkerung sowie Menschen mit kurz- oder langfristigen motorischen Einschränkungen (z. B. auch ein gebrochener Arm). Etwa 4 % aller in Österreich Lebenden sind zudem stark seheingeschränkt.3 Was sagen uns diese Zahlen? Genau: Es macht sehr viel Sinn, eine Website barrierefrei zu gestalten, da man so erheblich mehr Menschen erreichen kann!

Neben der Zielgruppe gibt es für die Reichweite noch einen weiteren großen Vorteil der barrierefreien Gestaltung einer Website: Suchmaschinen reihen barrierefreie Websites in der Regel weiter oben, da die Inhalte besser aufbereitet und strukturiert sind und so für die Suchmaschine besser auffindbar sind. Auch die oben genannten Alternativtexte helfen bei der Suchmaschinenoptimierung.

Natürlich sollten aber nicht nur Zahlen und Gesetze dazu führen, eine Website barrierefrei zu gestalten, was mich zur letzten Antwort auf die obige Frage bringt: Vorbildfunktion und soziale Verantwortung. Schließlich sind in der UN-Menschenrechts-Konvention auch die Rechte für Menschen mit Behinderung festgelegt: Diesen soll ein ungehinderter, gleichberechtigter Zugang zu Information und Kommunikation gewährleistet werden, was selbstverständlich auch Anwendungen im Internet beinhaltet. Eine barrierefreie Website wird so zum Symbol einer inklusiven Gesellschaft.

All diese Punkte beantworten wohl auch die Frage, wieso eigentlich jede Website barrierefrei sein sollte. 

Zusammenfassung und Ausblick 

Aus diesem Beitrag geht hoffentlich hervor, dass es einer umfangreichen, häufig komplexen Überarbeitung bedarf, um eine Website barrierefrei zu gestalten. Daher ist Österreich forscht vermutlich (noch) nicht zu 100 % barrierefrei, da es schlichtweg äußerst viel zu beachten gibt. Vor allem der Blog lässt sich nur schwer barrierefrei gestalten, da die Inhalte von vielen verschiedenen Blogger*innen verfasst werden. Aufgrund dessen lässt sich auch empfehlen, Websites gleich von vornherein barrierefrei zu planen und zu programmieren, da spätere Änderungen meist aufwändiger sind – da sprechen wir ja nun aus Erfahrung. Die größten Schwachpunkte, sprich Barrieren, sollten aber ausgemerzt sein!

In diesem Sinne: Ich hoffe, ihr konntet von diesem Text profitieren und habt – so wie ich – etwas Neues gelernt. Falls ihr noch Fragen habt, beantworte ich diese gerne unten in den Kommentaren! Sollte euch etwas auffallen, das nicht den Kriterien der Barrierefreiheit entspricht, dann schreibt mir bitte und ich bemühe mich um eine Änderung.


1 https://www.aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/barrierefreie-website

2 https://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/einfuehrung-barrierefreiheit/

3 https://datum.at/ein-netz-fuer-alle

„Heavy Metal City-Zen“ – Urban gardeners as Citize...
Der Beitrag von Citizen Science zur Schulbildung

Ähnliche Beiträge

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Dienstag, 28. September 2021

Sicherheitscode (Captcha)

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.citizen-science.at/