Unwetter-Chasing Oststeiermark (c) Karl Wiedenhofer
Institution: Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
Projektleitung: Thomas Krennert
Hohe Warte 38
1190 Wien
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Telefon: +43 1 36026 2309

Wettermelden.at / Trusted Spotter Network Austria

Mit wettermelden.at werden viele Wetterphänomene sowie deren Auswirkungen (Impacts) und Schäden am Boden in Echtzeit oder unmittelbar nach dem Ereignis gemeldet. Alle Melder*innen können sich im Rahmen des Trusted Spotter Network Austria zu besonders vertrauenswürdigen Beobachter*innen ausbilden lassen. Sowohl alle Wetter- und Impact-Meldeparameter als auch die Ausbildungs- und Kompetenzlevel der Beobachter*innen sind in ganz Europa vergleichbar.

Wozu Wettermelden?

Eine große Anzahl automatischer Wetterstationen beim österreichischen nationalen Wetterdienst ZAMG kann mit hoher Genauigkeit Temperatur, Luftdruck, Windrichtung- und Stärke und andere atmosphärische Größen messen. Die tatsächlichen Auswirkungen von Wetter, insbesondere von Extremwetter am Boden, wie Sturmschäden, Hagelsteine, Tornados, Lawinen, Muren oder Steinschlag, Glatteis, Waldbrände und andere, können mit den automatischen Stationen nicht gemessen werden. Dazu ist weiterhin die menschliche Beobachtung nötig.

abb schaeden(c) wettermelden.at

So funktioniert es!

Mit mobilen Geräten wie Smartphone oder Tablet unabhängig von Ort und Zeit Wetter melden. Kein Download oder Installation der Web-App! Internet und Lokalisierung aktivieren, www.wettermelden.at im Browser aufrufen, den passenden Meldeparameter mit dem Plus-Symbol wählen. Ein Foto hilft immer, die Auswirkungen des Wetters besser zu beschreiben. Bei Bedarf Text hinzufügen, absenden, fertig. Siehe dazu folgende Kurzanleitung.

Wer kann mitforschen?

Alle Personen, die ein Mobilgerät wie Smartphone oder Tablet bedienen können; empfohlen wird eine Teilnahme ab etwa 12 Jahren. Wetter ist in aller Munde, viele von uns sind deklarierte oder auch private Wetterenthusiasten. Besonders Extremwetterereignisse betreffen unsere Gesellschaft und damit unmittelbar auch uns selbst. Derartige Unwetterereignisse, aber auch außergewöhnliche Wettererscheinungen motivieren viele, das Erlebte auf unterschiedliche Art anderen Menschen mit zu teilen. Mit wettermelden.at möchten wir eine unabhängige Plattform zum Dokumentieren von Wetter und Wetterfolgen anbieten und gleichzeitig einen Mehrwert für die Daseinsvorsorge und die Wissenschaft erzeugen.

Braucht man dazu Vorwissen?

Weder zum Bedienen der Web-App wettermelden.at, noch für das korrekte Melden ist Vorbildung nötig. Die App ist weitestgehend selbsterklärend, jeder einzelne Meldeparameter ist direkt in der App in kurzen Stichworten beschrieben. Für besonders Wetterinteressierte bietet die ZAMG das Ausbildungsprogramm zum Trusted Spotter an. 

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Das Trusted Spotter Network Austria

Das Trusted Spotter Network Österreich, TSN, begann 2009 als Kooperation zwischen SKYWARN AUSTRIA, dem European Severe Storms Laboratory ESSL in Form der European Severe Weather Database ESWD und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG.

Zu einem späteren Zeitpunkt beteiligten sich auch Amateurfunker*innen des Österreichischen Versuchssender Verbandes (ÖVSV) als Amateur Radio Spotter (ARS) sowie auch als Trusted Spotter. Zum heutigen Zeitpunkt ist das TSN unabhängig einer Vereinszugehörigkeit offen für alle Interessierten und Wetterenthusiasten. Was macht also das TSN einmalig in Europa?

Zum ersten, die Ausbildung: Die ZAMG bietet für alle Absolvent*innen der Grundausbildung ein Besuchs- und Trainingsprogramm (Job-Shadowing) an allen ZAMG KS – Regionalstellen. Hier bekommt der Trusted Spotter eine individuelle Schulung und wird so für die Bedürfnisse des Meteorolog*innen in Warnsituationen sensibilisiert und im Erkennen von Auswirkungen des Wetters am Boden geschult.

Für seine Aktivität steht dem Spotter (Wetterbeobachter*in, ortsfest) oder Chaser (Gewitterjäger*in, mobil) eine Echtzeit-Wetterinformation über ein ZAMG Datenportal zur Verfügung, dessen Interpretation ebenfalls Thema der Ausbildung ist.

Je nach Ausbildungsgrad der Beobachter*innen können einzelne Meldungen in der Datenbank anhand von Kompetenz- und Zuverlässigkeit unterschieden werden:

  • Meldungen von Beobachter*innen ohne Training erhalten den Zuverlässigkeitsgrad 0 (Reliability Level RL0).
  • Beobachter*innen mit einem Basistraining melden mit plausibler Kompetenz RL1 (plausibility checked). Die Ausbildung erfolgt jeweils in den Vereinen Skywarn oder ÖVSV für ihre Mitglieder (aktiver Skywarner oder ARS). In Kürze steht auch ein unabhängiges ZAMG - Onlineportal für das Absolvieren des Basistrainings für alle interessierten Personen auch ohne Vereinszugehörigkeit zur Verfügung.
  • Die höchste Ausbildungsstufe zum Trusted Spotter erfolgt zwei-stufig ausschließlich an der ZAMG. Zum einen in Form von individuellen Job-Shadowings an allen ZAMG Kundenservice-Stellen, zum anderen mit den drei jährlichen Workshops in den KS - Regionalstellen Wien, Salzburg und Graz, die von den TSN Mitgliedern zahlreich genützt werden. Personen des TSN melden mit RL2 - Kompetenz (confirmed reliable source).

Durch Vorträge, Fallstudien, Schadensanalysen und intensive fachliche Diskussionen erfolgt bei den Workshops umfangreicher wissenschaftlicher Austausch, der sowohl für die Wetterenthusiasten als auch für die hauptberuflichen Meteorolog*innen immer einen Gewinn darstellt.

abb training(c) wettermelden.at

International gültige Melderichtlinien

Die ZAMG bemüht sich intensiv um die nationale als auch die internationale Standardisierung von menschlichen Wetter- und Impact-Meldungen. Alle Meldeparameter sind mit jenen der ESSL - EWOB Datenbank ident und können in Echtzeit über API zwischen allen Ebenen (sub-national - ZAMG - international/multilateral) ausgetauscht werden. Gemeldete Wetterschäden oberhalb einer spezifischen Schadensschwelle werden aus der EWOB Datenbank von ESSL in die international standardisierte, wissenschaftliche Unwetterdatenbank European Servere Weather Database (ESWD) übertragen.

Auch die Kompetenzeinstufung der Melder*innen anhand der Ausbildungsgrade ist international und zwischen allen Datenbanken vergleichbar. Diese Interoperabilität der Wetter- und Impact-Meldungen ist von besonders hohem wissenschaftlichem Wert um langjährige Wetter- und Unwettertrends abzuschätzen.

In seiner Intensität der Kooperation zwischen Wetterdienst, Hobbymeteorologen und Wissenschaft ist das TSN in Europa bisher einzigartig und in diesem Zusammenhang auch ein „Best Practise“ der European Meteorological Society EMS.

Was passiert mit den Wettermeldungen?

Die aktuellen Wettermeldungen erreichen Vorhersagemeteorolog*innen in Echtzeit und helfen dabei mit, auswirkungsbezogene Wetterprognosen und Warnungen zu verbessern. Die menschlichen Wetter- und Impact-Meldungen stellen ausfallsichere Information über die so genannte "Ground Truth", also die ganz konkreten Auswirkungen des Wetters am Boden dar. In einem instantanem Feedback-Loop stehen die Meldungen den Vorhersagemeteorolog*innen der ZAMG in wenigen Sekunden nach Absenden über die Web-App für ihre Prognose- und Warntätigkeit zur Verfügung. Wettermeldende können auf diese Weise direkt kommunizieren, ob an Ort und Zeit die Prognose stimmt oder die Wetterwarnung das Ausmaß des Unwetters richtig erfasst hat. Idealerweise lassen sich so Wetterwarnungen auch sehr rasch an tatsächliche Auswirkungen anpassen und weitere Schäden oder gar Verletzungen vermeiden sowie Einsatzkräfte im Krisen- oder Katastrophenfall besser unterstützen.

Wettermeldungen dienen auch zu einem späteren Zeitpunkt als Grundlage für Fallstudien sowie klimatologische und statistischen Auswertungen von Extremwetterereignissen und ihren Schäden. Die Häufigkeit extremer Wetterereignisse und die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft gegenüber Wetterschäden lassen sich auf diese Weise präziser erfassen. Alle österreichischen Wettermeldungen werden in einer nationalen ZAMG Datenbank gespeichert und im Austausch mit anderen Europäischen nationalen Wetterdiensten anonymisiert für Warnungen und Forschung zur Verfügung gestellt.

Standardisierungen und Qualitätsmanagement der Meldungen ermöglichen auch andere automatische Anwendungen, wie beispielsweise die Analyse von Wolkenfotos oder die Daten-Assimiliation in Impact-, Nowcasting- und Vorhersagemodelle. Meldungen über Schäden von z. B. Gewittern bieten die Grundlage für weitere, tiefer gehende forensische Analysen von Fallböen oder Tornados. Anhand dieser Anwendungsbeispiele wird auch die Bedeutung der Ausbildung und der Verlässlichkeit der Spotter offensichtlich. Das übermittelte Bild- und Videomaterial ermöglicht auch professionelle Öffentlichkeitsarbeit möglichst zeitnah zum Unwetterereignis.

Rollen und Aufgaben im Projekt

Projektleitung:

  • Koordination
  • technische Weiterentwicklung
  • Organisation der Fortbildungs- und Schulungsaktivitäten
  • Qualitätssicherung- und Management
  • Datenmanagement und Archiv
  • Kostenmanagement organisatorisch und technisch
  • Kontaktpunkt

Wettermelder*innen ohne Ausbildung:

  • Melden von Wetterereignissen und entsprechenden Schäden (Impact)

Wettermelder*innen mit Ausbildung:

  • Melden von Wetterereignissen und entsprechenden Schäden (Impact)
  • Teilnahme an Schulungen, Workshops
  • Berichte, Fallstudien
  • Generieren von Ausbildungsmaterial (Bilder, Videos)
  • Erstellung forensischer Analysen gemeinsam mit Expert*innen/Wissenschaftler*innen
  • Feedback zu System und Entwicklung

 

Schlagwörter
  • wetter
  • katastrophen
Gelesen 4949 mal| Letzte Änderung am Mittwoch, 07 April 2021 13:33