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Was ist Citizen Science?

Citizen Science bezeichnet eine Arbeitsmethode der Wissenschaft, mit der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Amateurinnen und Amateuren [lat. amator “Liebhaber”] durchgeführt werden.

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Eventarchiv

Im Eventarchiv werden Berichte und Fotos vergangener Veranstaltungen zu Citizen Science veröffentlicht und gespeichert.

CC:BY Nikos Pappas, Yannis Voutsalas | flickr

Österreich forscht: Österreichische Citizen Science Konferenz 2015

Disclaimer


Dieser Bericht ist das Ergebnis dieser Konferenz, deren Ziel es war, die unterschiedlichen österreichischen Citizen Science AkteurInnen zu vernetzen und gemeinsame Strategien zur Stärkung dieser Methode in Österreich zu erarbeiten. Die in diesem Bericht geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der beteiligten Organisationen übereinstimmen. Die in diesem Bericht geäußerten Ansichten geben ausschließlich die Haltung der Autoren wieder und sind keinesfalls als offizieller Standpunkt der beteiligten Organisationen zu betrachten.

 

Das Programm

08:00-09:00 Registrierung Kaffee/Tee
09:00-09:03 Assoc. Prof. Johann Zaller
Universität für Bodenkultur Wien
Eröffnung
09:03-09:13 Prof. Josef Glössl
Universität für Bodenkultur Wien
Eröffnung
09:13-09:23 MinR. Dr. Christian Smoliner
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Eröffnung
09:23-09:25 Dipl.-Ing. Florian Heigl
Universität für Bodenkultur Wien
Eröffnung
09:25-09:30 David Ziegler, M.A.
Museum für Naturkunde Berlin
GEWISS
09:30-09:40 Claudia Magdalena Fabian, M.A.
Zentrum für Soziale Innovation, Wien
Citizen Science Whitepaper
09:40-10:00 Dr. Robert Brodschneider
Universität Graz
C.S.I. Pollen und bienenstand.at
10:00-10:20 Dr. Jutta Leskovar, Ph.D.
Oberösterreichisches Landesmuseum, Leonding
Citizen Science und Archäologie
10:20-10:30 Mag. Pamela Bartar, MAS
Zentrum für Soziale Innovation, Wien
Citizen Science und Wissenschafts-PR
10:30-11:00 Pause Kaffee/Tee und Snacks
11:00-11:20 Dr. Veronika Ruzsanyi
Medizinische Universität Innsbruck
Citizen Science in der Medizin
11:20-11:40 Mag.a Sylvia Petrovic-Majer
Open Knowledge Foundation Austria, Wien
Citizen Science in Kunst und Kultur
11:40-12:00 Dr. Peter Kraker
Know Center, Graz
Citizen Science und Open Science
12:00-12:20 Priv.-Doz. Dr. Karl-Heinz Leitner
TU Wien, AIT Wien
Citizen Science und Wirtschaft
12:20-13:30 Mittagspause Buffet
13:30-14:30 Workshop  
parallel dazu Projektpräsentation  
14:30-15:00 Präsentation Workshopergebnisse  
15:00-15:45 Pause Kaffee/Tee und Snacks
15:45-16:05 Arbeitsgruppe Citizen Science
Universität für Bodenkultur Wien
Österreich forscht
16:05-17:00 Ausklang Sekt

 

Österreichische Citizen Science Konferenz 2015

Am 26.02.2015 fand an der Universität für Bodenkultur Wien die erste Österreichische Citizen Science Konferenz unter dem Motto „Österreich forscht“ mit gut 80 Teilnehmern statt. Finanziell unterstützt wurde die Konferenz vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW), vom Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung der BOKU und von der Naturschutzabteilung der Stadt Wien (MA22). Die Veranstaltung war als ÖkoEvent zertifiziert, was bedeutete, dass auf einen möglichst schonenden Ressourcenumgang geachtet und eine Anreise der Konferenzteilnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen wurde. Auch das Catering wurde von www.bookacook.at als ein vegetarisches Biocatering durchgeführt.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Prof. Johann Zaller, Leiter der Arbeitsgruppe Citizen Science am Institut für Zoologie an der Universität für Bodenkultur Wien, die Beweggründe für die Organisation dieser ersten transdisziplinären Citizen Science Konferenz Österreichs. Ziel war es die unterschiedlichen Citizen Science AkteurInnen in Österreich zu vernetzen und einen Austausch über die Disziplinen hinweg zu ermöglichen, denn oft stehen Citizen Science Projekte vor ähnlichen Herausforderungen und Problemen.

Auch Prof. Josef Glößl, Vizerektor für Forschung der Universität für Bodenkultur Wien, verwies nach einem kurzen geschichtlichen Abriss, auf die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft und wie die Universität für Bodenkultur Wien diese verantwortungsvolle Forschung schon heute, auch in Form von Citizen Science, einsetzt.

Ministerialrat Dr. Christian Smoliner vom BMWFW betonte in seiner Rede die Bedeutung, die Citizen Science in Zukunft in der Forschungslandschaft in Österreich haben soll, und bezog sich dabei auf den tags zuvor veröffentlichten „Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen Forschungsraum“.

In einer kurzen Einführung sprach M.A. David Ziegler vom deutschen GEWISS Konsortium über die deutsche Plattform www.buergerschaffenwissen.de. Zudem stellte er die European Citizen Science Association (ECSA) vor und zeigte die Stärkung von Citizen Science aus deutscher Sicht auf.

Im ersten Beitrag berichtete M.A. Claudia Magdalena Fabian vom Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) vom Projekt Socientize und dem „Weißbuch: Citizen Science in Europa“, welches die wichtigsten Empfehlungen für Wissenschaftspolitik, die Citizen Science Community und Projekte in Europa beinhaltet und unter der Leitung des ZSI entstand.

Der nächste Vortrag von Dr. Robert Brodschneider von der Universität Graz beschäftigte sich mit den Projekten bienenstand.at und C.S.I. Pollen, welche die Bienengesundheit in Österreich unter der Mitwirkung von Imkern untersucht.

Dr. Jutta Leskovar vom Oberösterreichischen Landesmuseum in Leonding erzählte von ihren Erfahrungen in der Archäologie mit geleiteten und ungeleiteten AmateurInnen in Bezug auf archäologische Funde.

In ihrem Vortrag über Citizen Science und Wissenschafts-PR sprach Mag. Pamela Marjan Bartar, MAS über den Wunsch nach Lebensnähe und einer engen Kollaboration mit BürgerInnen seitens Wissenschaft und Forschung.

Dipl.-Ing. Florian Heigl und Benjamin Dauth, Bsc., berichteten über die Erfahrungen der Arbeitsgruppe Citizen Science im Einsatz von Citizen Science in der Lehre an der Universität für Bodenkultur Wien.

Mag.a Sylvia Petrovic-Majer nahm sich dem Thema Citizen Science im Kunst- und Kulturbetrieb, im Besonderen in Museen und Gallerien, an und erwähnte dabei spannende Projekte wie zum Beispiel Grazwiki.

Dr. Peter Kraker vom Know Center in Graz ging auf einen weiteren wichtigen Aspekt von Citizen Science, nämlich Open Science, d.h. der Öffnung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft, ein.

Im letzten Vortrag sprach Priv.-Doz. Dr. Karl-Heinz Leitner von der TU Wien und dem AIT Wien über den Einsatz von Citizen Science in der Wirtschaftsforschung und von Spannungsfeldern in Open Science und Open Innovation.

Nach der Mittagspause wurde die Strategie für Citizen Science in Österreich von den TeilnehmerInnen im Rahmen eines World Cafes erarbeitet. Die Resultate des World Cafés finden Sie weiter unten.

Parallel dazu konnten alle, die nicht am World Cafe teilnehmen konnten oder wollten, sich über aktuelle und zukünftige Citizen Science Projekte in Österreich im Rahmen einer Postersession informieren.

Im abschließenden Vortrag präsentierte die Arbeitsgruppe Citizen Science ihre Vision von Citizen Science in Österreich. Prof. Johann Zaller fasste den Tag kurz zusammen, Mag. Daniel Dörler ging im Detail auf die Ziele der Arbeitsgruppe ein, und Dipl.-Ing. Florian Heigl und Benjamin Dauth, Bsc., präsentierten die neu gestaltete Website für Citizen Science Projekte in Österreich: www.citizen-science.at.

Wir danken allen Vortragenden für ihre interessanten Präsentationen im Vortragsteil und in der Postersession. Allen TeilnehmerInnen danken wir für die regen Diskussionen und die tollen Ergebnisse im Workshop. Wir freuen uns schon jetzt auf die Österreichische Citizen Science Konferenz 2016.

 

 

World Café

Im Rahmen eines World Cafés diskutierten knapp 40 TeilnehmerInnen im Rahmen der Österreichischen Citizen Science Konferenz 2015 über eine Citizen Science Strategie für Österreich. Der folgende Text fasst die Aussagen der TeilnehmerInnen zusammen und soll als Grundlage für die Diskussion der weiteren Entwicklung von Citizen Science in Österreich dienen.

Citizen Science als Baustein der Wissensgesellschaft?

Eine der Kernfragen dabei war, wie die Gesellschaft von Citizen Science profitieren kann. Der wohl wichtigste Aspekt dabei war, dass sowohl Bevölkerung, als auch Kunst und Wissenschaft gleichermaßen voneinander profitieren können. Durch die verstärkte Kommunikation wird eine Bewusstseinsbildung auf beiden Seiten erreicht. Bei der Bevölkerung führt dies zu Wissensgenerierung und zum Hinterfragen von Prozessen, bei Kunst und Wissenschaft zum Ändern von Blickwinkeln und Fragestellungen. Die Grenzen zwischen Gesellschaft und Kunst und Wissenschaft verschwimmen und die Gesellschaft kann aktiv an Problemlösungen teilnehmen.

Doch wo sind die Grenzen bzw. ist die Bevölkerung überhaupt an Citizen Science interessiert? Großer Klärungsbedarf besteht hier für die TeilnehmerInnen bei den Datennutzungsrechten, welche alle Citizen Science Projekte betreffen. Dazu kommen projektspezifische ethische und/oder rechtliche Fragen. Grenzen sehen die TeilnehmerInnen in zu komplexen Fragestellungen, die ein großes Maß an Vorwissen voraussetzen, oder in Methoden, bei denen nicht alltägliches oder nicht leicht zu beschaffendes Equipment benötigt wird.

Vorhandene Projekte und Kooperationsmöglichkeiten

Die Fragen, welche Citizen Science Projekt es in Österreich gibt und ob es Möglichkeiten der (transdisziplinären) Kooperation gibt, war für die TeilnehmerInnen nur sehr schwer zu beantworten. Es gibt eine Reihe von kleinen Projekten in Österreich, die von Vereinen, NGOs, Servicestellen oder ähnlichem getragen werden, doch meist kennen sich diese Projekte untereinander nicht. Man bleibt in seinem Fachgebiet und hat daher keine Informationen über andere Projekte, mit denen eine potentielle Kooperation möglich wäre. Dadurch entsteht keine Kommunikation, welche aber Grundvoraussetzung für Kooperation ist.

Herausforderungen

Hürden beim Aufbau eines Citizen Science Projektes wurden vielfach erlebt. Ganz allgemein ist der Übergang von der traditionell institutionalisierten Wissenschaft und Kunst hin zu Citizen Science ein Kulturbruch, der manchen Angst macht. Aber durch die neuen Technologien kann Citizen Science ein Weg zu weiterer Demokratisierung in Kunst und Wissenschaft sein. Auch die Finanzierung und das Zusammenführen verschiedener Partner sind Herausforderungen, vor denen Citizen Science steht. Beim Aufbau eines Projektes sollten die Projektleiter neben der jeweiligen Fachkompetenz auch EDV-Skills, Erfahrung in Projektmanagement und Medienarbeit, Projektkoordination und Social Skills zur Interaktion mit den TeilnehmerInnen besitzen. Durch partizipatives Projektdesign können sich Projektziele ändern, es entsteht das Risiko des Kontrollverlustes. Das macht das budgetieren schwer, da sich das Projekt erst entwickeln muss.
Nach dem Start des Projektes stellen Datenschutz und Urheberrechte die nächste Hürde dar. Hier orten die TeilnehmerInnen juristischen Beratungsbedarf. Die Daten müssen aber auch organisiert und deren Qualität validiert werden, z.B. durch andere User oder Crowd Rating.

Werkzeuge

Die eingesetzten Methoden bei Citizen Science Projekten sind vor allem projekt- und zielgruppenabhängig. Das Spektrum reicht von Papier und Bleistift bis zu Smartphone-Apps und Onlineformularen. Dazu muss der Projektleiter wissen, mit welcher Methode er seine Zielgruppe am besten erreicht. Für Kooperationen besonders wichtig sind kompatible Daten. Dazu soll es Standards geben, die von einer übergeordneten Instanz erstellt und überwacht werden. Wichtig ist der gegenseitige Respekt von Wissenschaft, Medien und Technik.

Citizen Science in der Lehre

Klare Empfehlungen gibt es für den Einsatz von Citizen Science an Schulen und Universitäten in der Lehre. Dabei können und sollen empirische Daten erhoben werden, um damit das Interesse an Wissenschaft schon bei Schulkindern zu wecken. So kann die Heimat über verschiedene Projekte kennengelernt oder bereits vorhandenes Wissen vertieft werden. Lokales Wissen von Kindern und Jugendlichen kann bereits beim Planungsprozess gesammelt und eingebunden werden. Daten können über eine spielerische Anwendung gesammelt werden, auch eine Art Wettbewerb wäre denkbar. Durch die erhöhte Affinität von Kindern und Jugendlichen zu moderner Technik kann diese dort auch sinnvoll eingesetzt werden.

Citizen Science und Kommunikation

Doch nicht nur Kinder und Jugendliche sollen erreicht werden. Potentiell sind alle BürgerInnen, abhängig von den jeweiligen Projekten, Fragestellungen und vom Level der Betroffenheit, Citizen Scientists. Über Vereine, in denen jeweilige Zielgruppen vielleicht schon organisiert sind, können TeilnehmerInnen leichter erreicht werden.

Welches genau die Zielgruppen sind, lässt sich nicht nur schwer allgemein definieren. Einzelne Projekte werden die Untersuchung so niederschwellig ansetzen, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Andere Projekte wollen eher Spezialisten erreichen und nicht die große Masse. Es kommt auch darauf an, wer das Thema initiiert. Sind es WissenschaftlerInnen oder Vereine? Über eine Umweltanalyse könnten mehr Informationen zu den möglichen Zielgruppen gewonnen werden. Auch die Form der Kommunikation ist entscheidend um den Austausch zwischen Wissenschaft/Kunst und Citizen Scientists zu erhöhen.

Um TeilnehmerInnen zum Mitmachen zu motivieren, gibt es verschiedene Ansätze. Generell sollten die Beiträge der TeilnehmerInnen sichtbar gemacht werden. Sie sind nicht nur Datenroboter, sondern Subjekte im Forschungsprozess. Die soziale Komponente sollte dabei nie vergessen werden (z.B. das gemeinsame Bier nach der Aktivität). Man soll sich in die TeilnehmerInnen hineinversetzen (Empathie), sie dort abholen, wo sie Interessen haben und vorhandene Strukturen nutzen.

Politische Rahmenbedingungen

Zur Vereinfachung bereits bestehender bzw. zukünftiger Citizen Science Projekte bedarf es bestimmter politischer Rahmenbedingungen, wie z.B. Zugang zu Ressourcen wie Internationale Literatur (Open Access). Es sollte eine Citizen Science Koordinationsstelle geben, die nicht nur Anlaufstelle für BürgerInnen ist, sondern auch social skills an die WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen weitergibt. Dazu braucht es aber eine nationale Strategie und eine ministerienübergreifende Zusammenarbeit. Von öffentlicher Seite müssen Daten freigegeben werden, und der Stellenwert von Kunst und Wissenschaft in der Bevölkerung sollte über Imagekampagnen erhöht werden. Open Source Technologien sollten gefördert werden.

Visionen

Wie könnte/sollte Citizen Science nun in 10 Jahren in Österreich gestaltet sein? Es soll eine nationale und institutionelle Koordinationsstelle für Citizen Science geben, die einen möglichst niederschwelligen Zugang ermöglicht. Zusätzlich soll es an jeder Institution ab einer bestimmten Größe eine für Citizen Science verantwortliche Person geben. Citizen Science soll dezentral gefördert werden, d.h. es soll viele Zentren in ganz Österreich geben (nicht nur in Wien). Engagierte BürgerInnen haben freien Zugang zu Forschungsressourcen und sind in Citizen Science integriert. Es herrscht ein ethischer Umgang mit Rechten und Ergebnissen der BürgerInnen. Citizen Science ist in der Bevölkerung bekannt und die BürgerInnen wissen, an welche Stellen bzw. Personen sie sich bei Bedarf wenden können. Wissenschaft und Kunst sind in der Bevölkerung wieder mehrheitlich positiv besetzt. Es gibt open source frameworks, die allen Initiativen zur Verfügung stehen.

 

Bilder

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Österreichische Citizen Science Konferenz 2016

Am 18. & 19.02.2016 fand am WasserCluster Lunz in Lunz am See die zweite Österreichische Citizen Science Konferenz statt. Unter dem Motto “Citizen Science - Quo vadis?” versammelten sich ca. 50 Teilnehmer/-innen im WasserCluster Lunz und diskutierten über Entwicklungen im Bereich Citizen Science. Dabei präsentierten Vertreter/-innen unterschiedlichster Disziplinen – Kunst und Kultur, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Wirtschaft, Technik – ihre Ideen und Projekte zum Thema Citizen Science. Der Fokus der Veranstaltung lag auf der Qualitätssteigerung von Citizen Science in Österreich und auf der Präsentation von Methoden und Projekten. In zwei Workshops und einem MiniBarCamp wurden Strategien zur Qualitätssteigerung erarbeitet.

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Programm und Abstracts

Das Programm und die Abstracts finden Sie im Konferenzband: pdfKonferenzband.pdf.

Workshops

Datenqualität in Citizen Science Projekten: Können Freiwillige wirklich Wissenschaft betreiben?

Die Teilnehmer/-innen definierten drei Themenbereiche:

  • Kommunikation: Die Teilnehmer/-innen empfanden das Erreichen der entsprechenden Zielgruppen, deren Motivation, die Komplexität von Versuchsprotokollen und die daraus resultierende Datenqualität als herausfordernd in Citizen Science Projekten. Als mögliche Lösungsansätze dafür wurden interdisziplinäre Teams, Pilottests, klar verständliche Versuchsprotokolle (sowohl schriftliche Protokolle, als auch Videos) und Teilnehmertrainings genannt.
  • Qualitätskontrolle: Hier wurden mehrere Problemfelder definiert: die fehlende Implementierung von robusten Evaluationsmethoden für Datenqualität; unterschiedliche Datenstandards; ungenaue Daten aufgrund nicht-standardisierter Datensammlung. Mögliche Lösungen wären Datenevaluationsmethoden gleich in die Datensammlung einzubauen (z.B. nur Einträge mit Fotos in der Auswertung zu berücksichtigen), Fähigkeiten der Teilnehmer/-innen vor Projektbeginn zu überprüfen (z.B. über Spiele) und Lernalgorithmen einzufügen.
  • Fehlende Objektivität: Es wurde darüber diskutiert, inwieweit Daten von Teilnehmer/-innen, welche die Datensammlung nicht ernst nehmen, falsch-positive Daten durch übermotivierte Teilnehmer/-innen und fehlende Daten die Datenqualität insgesamt beeinflussen. Hier wurden als mögliche Lösungswege Überprüfungen der Fähigkeiten Teilnehmer/-innen und der Einbau von „Hintergrunddaten“ (z.B. Wetter, Habitatbeschreibungen etc.) genannt.

Citizen Science - Quo vadis?

In drei Gruppen wurden in jeweils ca. 25 Minuten drei Fragen diskutiert:

1. Entwicklungen in und um Citizen Science: welche wurden registriert und wie werden diese bewertet?

Gerade im Schulbereich ist diese Entwicklung für die Teilnehmer/-innen spürbar. Hier ist auch das Interesse von den Schulen hoch, obwohl noch viel Unsicherheit da ist. Schüler werden zu Multiplikatoren und Mentoren im Bereich Citizen Science. Aber auch außerhalb von Schulen gibt es einen Boom bei Citizen Science Projekten. Hier sehen die Teilnehmer/-innen allerdings ein großes Risiko, dass Projekte gestartet werden, die nicht für Citizen Science geeignet sind. Kritisch gesehen werden viele verwirrende Begrifflichkeiten, die alle Citizen Science meinen. Hier sollte eine Vereinheitlichung stattfinden, gerade weil Citizen Science sich auch zu einer Marke entwickelt hat. Die Qualitätssicherung ist allen Teilnehmer/-innen sehr wichtig. Potentiale, diese zu steigern, werden bei der Usability und auch bei Anreizsystemen gesehen. Derzeit wird “science to public” nicht honoriert und damit oft auch nicht gemacht. Auch die Flexibilität für teiloffene Prozesse ist noch nicht gegeben. Daher gab es vor allem viele “low-level”-Projekte in den letzten Jahren, was für die weitere Entwicklung von Citizen Science als gefährlich gesehen wird. Die Teilnehmer/-innen sehen daher Österreich im Bereich Citizen Science Europa hinterherhinken. Hier sollten Fördergeber stärker eingreifen. Der Überhang bei naturwissenschaftlichen Citizen Science Projekten liegt aus Sicht der Teilnehmer/-innen vor allem darin, dass Geisteswissenschaften glauben, sie könnten die Methode nicht verwenden. Hier bedarf es einer Aufklärung und der Vermittlung von Handwerkszeug.

 2. Wie soll ein dezentrales Netzwerk für Citizen Science in Österreich gestaltet sein?

Grundsätzlich wurde von allen TeilnehmerInnen die Etablierung eines dezentralen Netzwerks für Citizen Science in Österreich als positiv erachtet, da die Vorteile einer Vernetzung und des Wissensaustauschs überwiegen. Die Konkurrenz um Fördergelder oder die Angst, dass Ideen gestohlen werden könnten wurde als nicht wichtig erachtet, vielmehr stand die Zusammenarbeit und die gemeinsame Förderung von Citizen Science im Vordergrund.

Ein dezentrales Netzwerk sollte laut TeilnehmerInnen vor allem aus Institutionen und weniger aus Einzelpersonen bestehen, da dies die Kommunikation innerhalb des Netzwerks vereinfachen würde. Die Finanzierung eines solchen Netzwerks sollte über Beiträge der Institutionen gewährleistet werden, wobei die Institutionen abhängig von ihrem jeweiligen Budget Beiträge einzahlen sollten um zu gewährleisten, dass kleinere Institutionen dieselben Chance erhalten wie größere.

Generell sollte ein solches Netzwerk den Gap zwischen Wissenschaftscommunity und Gesellschaft schließen und daher auch BürgerInnen einbinden durch Vereine oder ähnliches. Ein Netzwerk für Citizen Science aufzubauen ohne die BürgerInnen miteinzubinden wäre Fehler.

Eine weitere zentrale Idee der TeilnehmerInnen zu der oben genannten Frage war, dass das Netzwerk eine Art Gütesiegel für Citizen Science Projekte ausstellen könnte, welches Projekte mit besonders hoher Qualität auszeichnet. Die Kriterien des Gütesiegels würden transdisziplinär im Netzwerk ausgearbeitet werden.

3. Qualitätsstandards in Citizen Science Projekten: wie kann Qualität von bereits bestehenden Projekten erhöht werden?

Diese Frage wurde als spezielle Herausforderung wahrgenommen, da bereits alle TeilnehmerInnen über Qualitätsstandards in Citizen Science Projekten Bescheid wussten, jedoch keine konkrete Strategie zur Implementierung in bereits bestehende Projekte erarbeiten konnten. Die Herausforderung liegt hier vor allem auch in der Diversität der bearbeiteten Themen und Laufzeiten der Projekte in Österreich. So sehen NGOs, welche oft langjährige Projekte betreuen andere Herausforderungen als etwa Universitäten, die ein drei Jahre gefördertes Projekt durchführen. In einem dreijährigen Projekt ist es kaum möglich während der Durchführung Anpassungen vorzunehmen, wohingegen in einem langjährigen Projekt speziell darauf geachtet werden muss besonders aktive TeilnehmerInnen durch Veränderungen im Projektablauf nicht zu verlieren.

Generell sahen die TeilnehmerInnen eine etwaige Anpassung in der Kommunikation als einfacher an als in der Methode der Datenerhebung oder der Datenverwaltung.

Einstimmig war die Meinung der TeilnehmerInnen auf das noch vorhandene Potential zur Steigerung der Qualität in Citizen Science Projekten in Österreich und dass gemeinsame Standards hier durchaus hilfreich sein könnten.

Citizen Science MiniBarCamp

Zentrale Themen waren Datenschutz und Urheberrecht. Beides ist bei Citizen Science Alltag und etwas komplexer als bei herkömmlichen wissenschaftlichen Projekten. Hier war viel Angst und Unklarheit zu sehen. Weiters war die Verantwortung gegenüber den Citizens wichtig. Deren Erwartungen an das Projekt, welche den Ausgleich der Interessen und mögliche Probleme komplizierter machen kann. Auch ganz wichtig: fairer Umgang mit Citizens. Rückführung der Ergebnisse an die Citizens, respektvoller und ehrlicher Umgang.

Wir danken dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der Ludwig Boltzmann Gesellschaft sehr für die finanzielle Unterstützung.

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