Topothek und KI - Fluch oder Segen?
Die Topotheken haben sich den Ruf erworben, durch intensive Arbeit vorwiegend ehrenamtlicher Personen, verlässliche Quellen der Vergangenheit zu sein. Sie sollen den künftigen Generationen ein authentisches Bild der vergangenen Zeiten bieten. Deshalb muss man den Einsatz von KI-Werkzeugen zur Bearbeitung der Originale besonders genau betrachten.
Was passiert, wenn KI „hilft"?
Moderne KI-Tools können Fotos aufhellen, schärfen, restaurieren – und das oft mit beeindruckenden Ergebnissen. Der Haken: Wenn wir diese Werkzeuge nicht in ihren Grenzen halten, erfinden sie dabei:
Sie füllen fehlende Details auf Basis statistischer Wahrscheinlichkeiten – also auf Basis dessen, wie etwas wahrscheinlich ausgesehen haben könnte, nicht wie es tatsächlich ausgesehen hat.
Das klingt harmlos, ist es aber nicht:
- Ein KI-Tool „restauriert" das verblichene Rot einer Tracht – und wählt dabei den falschen Farbton. Plötzlich trägt eine historische Figur eine Tracht, die so in dieser Gemeinde nie existiert hat. Ein Blaudruck-Kleid wird blassoliv.
- Eine Fassade wird aufgehellt und farblich „optimiert" – und schon sieht das Gemeindehaus in Grau aus, obwohl es historisch in Ocker gestrichen war.
- Ein altes Gruppenporträt wird „verbessert" – und die feinen Unterschiede in Stoff, Schnitt und Muster, die Rückschlüsse auf Stand und Herkunft erlauben würden, verschwinden unter einer KI-glatten Oberfläche.
Was gut gemeint war, wird zur stillen Verfälschung. Und das Tückische daran: Man sieht es dem fertigen Bild meist nicht an.
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