Schutzmaßnahmen gegen Feldhasen Roadkills
Vergangenes Jahr (2025) wurde als Gewinner-Forschungsfrage von der Roadkill-Community folgende Forschungsfrage gewählt: Welche Schutzmaßnahmen können effektiv dazu beitragen, die Anzahl der überfahrenen Igel und Feldhasen in besonders betroffenen Gebieten zu reduzieren, und welche Akteure, sowie infrastrukturellen Lösungen sind für die Umsetzung geeignet?
In diesem Blogbeitrag möchten wir euch den bisherigen Wissenstand zum Feldhasen kurz zusammenfassen. Dem Blogbeitrag zum Igel widmen wir uns als nächstes.
Der Feldhase und sein Lebensraum
Der Europäische Feldhase (Lepus europaeus) ist eine typische Art unserer Agrarlandschaften – und zugleich ein sensibler Indikator für deren Zustand. Wo er vorkommt, lässt sich oft ablesen, wie vielfältig und funktionsfähig eine Landschaft ist.
Grundsätzlich profitieren Feldhasen stark von strukturreichen Agrarräumen. Kleine Felder, unterschiedliche Kulturen und vielfältige Landschaftselemente wie Hecken schaffen ein Mosaik aus Nahrung und Deckung. Solche heterogenen Lebensräume fördern stabile Populationen. Demgegenüber haben großflächige Monokulturen und die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft in vielen Regionen zu deutlichen Bestandsrückgängen geführt (Santilli et al. 2014, Pavliska et al. 2018, Sliwinski et al. 2019, Ševčík et al. 2023).
Ein zentrales Element dieser Lebensräume sind geeignete Rückzugsorte. Feldhasen bevorzugen Ruheplätze mit dichter Vegetation (über 30 cm hoch), die Schutz vor Feinden und Witterung bieten. Im Winter halten sie sich häufig in Wintergetreide oder auf Getreidestoppelfeldern für die Nahrungsaufnahme auf, während sie offene, gepflügte Flächen eher meiden (Cardarelli et al. 2011, Neumann et al. 2011, Santilli and Galardi 2016).
Diese positiven Effekte der Strukturvielfalt haben jedoch eine Kehrseite – zumindest dort, wo Straßen ins Spiel kommen. Gerade in abwechslungsreichen Landschaften ist die Aktivität der Feldhasen hoch: Sie wechseln häufiger zwischen Nahrungs- und Deckungsflächen und nutzen lineare Strukturen wie Feldränder oder Böschungen. Insbesondere Jungtiere sind stark auf Deckung angewiesen. Sie profitieren von linearen Strukturen wie Hecken oder Feldrändern, die Schutz bieten und ihre Überlebenschancen erhöhen (Voigt and Siebert 2019, 2020).
Oft befinden sich solche Bereiche in der Nähe von Straßen, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Tiere diese queren – und damit auch das Risiko von Kollisionen.
Feldhasen und Straße
Tatsächlich liegen viele Roadkill-Hotspots in strukturierten Landschaften, etwa an Kreuzungen, entlang von Böschungen oder in Gebieten mit hoher Nutzungsvielfalt und gleichzeitig starkem Verkehrsaufkommen.
Für den Schutz von Feldhasen bedeutet das, beide Ebenen zusammenzudenken. Strukturreiche Agrarlandschaften bleiben essenziell für stabile Bestände. Gleichzeitig braucht es gezielte Maßnahmen entlang von Straßen, um die negativen Effekte zu reduzieren.
Dazu zählen zunächst verhaltensbezogene Ansätze wie Warnschilder, die Autofahrer auf Unfallschwerpunkte aufmerksam machen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch stark von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Studien zeigen, dass insbesondere bei nächtlichen Geschwindigkeiten unter 80 km/h weniger Kollisionen mit Feldhasen auftreten (Hobday 2010, Hušek et al. 2026).
Deutlich effektiver sind bauliche Maßnahmen. Zäune in Kombination mit Wildtierquerungen können die Zahl von Wildunfällen erheblich reduzieren – bei größeren Säugetieren um bis zu 83%. Solche Systeme können auch für Feldhasen angepasst werden, wobei engmaschige Zäune erforderlich sind, um ein Durchschlüpfen zu verhindern (Rytwinski et al. 2016, Skoták et al. 2025).
Fazit
Insgesamt wird deutlich: Der Feldhase braucht eine strukturreiche Landschaft mit abwechselnder Fruchtfolge, die viel Deckung bietet. Gleichzeitig müssen Straßen, die durch den Lebensraum von Feldhasen führen, durch engmaschige Zäune geschützt und mit Querungshilfen überwunden werden können.
Quellen
Cardarelli, E., A. Meriggi, A. Brangi, and A. Vidus-Rosin. 2011. Effects of arboriculture stands on European hare Lepus europaeus spring habitat use in an agricultural area of northern Italy. Acta Theriologica 56(3):229–238. https://doi.org/10.1007/s13364-010-0019-4
Hobday, A. J. 2010. Nighttime driver detection distances for Tasmanian fauna: informing speed limits to reduce roadkill. Wildlife Research 37(4):265–272. https://doi.org/10.1071/WR09180
Hušek, J., J. Kvičerová, and J. Cukor. 2026. Spatio-temporal variation and factors affecting European hare (Lepus europaeus) road mortality: Landcover diversity as a remedy. Global Ecology and Conservation 65. https://doi.org/10.1016/j.gecco.2025.e04013
Neumann, F., S. Schai-Braun, D. Weber, and V. Amrhein. 2011. European hares select resting places for providing cover. Hystrix 22(2):291–299. https://doi.org/10.4404/Hystrix-22.2-4546
Pavliska, P. L., J. Riegert, S. Grill, and M. Šálek. 2018. The effect of landscape heterogeneity on population density and habitat preferences of the European hare (Lepus europaeus) in contrasting farmlands. Mammalian Biology 88:8–15. https://doi.org/10.1016/j.mambio.2017.11.003
Rytwinski, T., K. Soanes, J. A. G. Jaeger, L. Fahrig, C. S. Findlay, J. Houlahan, R. van der Ree, and E. A. van der Grift. 2016. How Effective Is Road Mitigation at Reducing Road-Kill? A Meta-Analysis. PLOS ONE 11(11):e0166941. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0166941
Santilli, F., and L. Galardi. 2016. Effect of habitat structure and type of farming on European hare (Lepus europaeus) abundance. Hystrix 27(2). https://doi.org/10.4404/hystrix-27.2-11974
Santilli, F., G. Paci, and M. Bagliacca. 2014. Winter habitat selection by the European hare (Lepus europaeus) during feeding activity in a farmland area of southern Tuscany (Italy). Hystrix 25(1). https://doi.org/10.4404/hystrix-25.1-7878
Ševčík, R., A. Krivopaiova, and J. Cukor. 2023. DIRECT EFFECT OF FARMLAND STRUCTURE ON EUROPEAN HARE HOME RANGE SIZE: PRELIMINARY RESULTS FROM THE CZECH REPUBLIC. Zpravy Lesnickeho Vyzkumu 68(3):159–167. https://doi.org/10.59269/ZLV/2023/3/701
Skoták, V., J. Cukor, R. Linda, and Z. Vacek. 2025. The European hare as a hidden challenge for forest regeneration: common protection measures are ineffective. Frontiers in Forests and Global Change 8. https://doi.org/10.3389/ffgc.2025.1669069
Sliwinski, K., K. Ronnenberg, K. Jung, E. Strauß, and U. Siebert. 2019. Habitat requirements of the European brown hare (Lepus europaeus Pallas 1778) in an intensively used agriculture region (Lower Saxony, Germany). BMC Ecology 19(1). https://doi.org/10.1186/s12898-019-0247-7
Voigt, U., and U. Siebert. 2019. Living on the edge - circadian habitat usage in pre-weaning European hares (Lepus europaeus) in an intensively used agricultural area. PLoS ONE 14(9). https://doi.org/10.1371/journal.pone.0222205
Voigt, U., and U. Siebert. 2020. Survival rates on pre-weaning European hares (Lepus europaeus) in an intensively used agricultural area. European Journal of Wildlife Research 66(4). https://doi.org/10.1007/s10344-020-01403-z
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