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Qualitätskriterien für Citizen Science - nützlich oder lästig?

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Soeben ist im Journal Research for All ein neuer Artikel erschienen, in dem wir uns mit Barbara Kieslinger und Teresa Schäfer (beide Zentrum für Soziale Innovation) angeschaut habe, welche Auswirkungen die Qualitätskriterien für Citizen Science Projekte auf Österreich forscht auf Projekte und auch auf die Plattform Österreich forscht selbst hatten. Im Zentrum stand die Frage, ob die Kriterien und der dahinterstehende Prozess einfach nur lästig und eine zusätzliche Belastung sind, oder ob sie als nützlich empfunden werden.  

Wie die Kriterien entstanden sind, ist auch bei der Arbeitsgruppe für Qualitätskriterien nachzulesen. 

Was ist der Hintergrund der Studie?

In den letzten 10-15 Jahren ist Citizen Science extrem gewachsen und vielfältig geworden. In zahlreichen Forschungsdisziplinen und in den unterschiedlichsten Kontexten werden Bürger*innen in Forschung eingebunden, um verschiedenste Forschungsfragen zu beantworten. Eine international anerkannte Definition ist dabei schwierig und bleibt Gegenstand von wissenschaftlichen Debatten. Dennoch ist es in zahlreichen Situationen wichtig, ein klares Verständnis von Citizen Science zu haben, beispielsweise als Koordinator*in einer Plattform wie Österreich forscht, um zu entscheiden, welche Projekte gelistet werden, oder auch als Forschungsförderungsorganisation, die öffentliche Gelder vergibt, um Citizen Science zu fördern. 

Aus diesem Grund haben wir in Österreich und auch weitere Netzwerke in anderen Ländern und Institutionen Kriterien geschaffen, die es uns erleichtern, Citizen Science-Projekte von anderen Formen der Partizipation zu unterscheiden. Dabei ist klar, dass diese Kriterien auch eine Auswirkung auf die Projekte, auf die sie angewandt werden, und auch auf die Institutionen, die sie anwenden, haben. Dennoch gab es bislang keine Untersuchung dazu, wie diese Auswirkungen aussehen. 

In unserer Studie haben wir uns dieser Frage angenommen und untersucht, welche Auswirkungen die Qualitätskriterien für Citizen Science Projekten auf Österreich forscht auf die Projekte hatten, die eine Listung beantragten, und auch welche Auswirkungen die Kriterien auf die Plattform Österreich forscht hatten.

Wie sind wir dabei vorgegangen?

Als Grundlage für unsere Untersuchung dienten uns mehr als 100 Listungsanträge von Projekten, die auf der Plattform Österreich forscht gelistet werden wollten. Die Listung erfolgt durch das Ausfüllen eines Fragebogens, der auf den 20 Qualitätskriterien beruht, welche dann zusammengenommen den Listungsantrag darstellen. Wir haben uns also die Antworten von über 100 verschiedenen Projekten noch einmal genau angesehen und geschaut, wie viele Rückfragen wir auf die Listungsanträge hatten, und auch aus den Antworten und Rückfragen selbst herausgefiltert, welche Themen häufig diskutiert wurden. 

Als zusätzliche Faktoren haben wir uns auch angeschaut, von welchen Institutionen (z.B. Universitäten, Museen, Vereine) die jeweiligen Listungsanträge kamen, und auch, welchen fachlichen Hintergrund (z.B. Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften) die dahinterstehenden Projekte hatten. 

Dadurch konnten wir herausfinden, welche Kriterien bzw. welche Themen die größte Hürde darstellten, und ob es dabei einen Unterschied macht, ob ein Projekt von einer Universität oder einem Museum kommt, oder ob es ein naturwissenschaftliches oder sozialwissenschaftliches Projekt ist. Die dabei gefundenen Unterschiede wurden auch durch entsprechende statistische Methoden ausgewertet, um feststellen zu können, ob diese Unterschiede nur zufällig auftraten, oder ob dahinter doch mehr steckt und es systemische oder fachliche Ungleichheiten gibt.  

Zusätzlich wurden auch Interviews mit 10 Projektleiter*innen geführt, um herauszufinden, wie sie den Listungsprozess empfunden haben und welches für sie größten Schwierigkeiten waren. 

Was sind die Ergebnisse unserer Untersuchung?

Bei allen Listungsanträgen gab es Rückfragen, d.h. keines der analysierten Projekte schaffte es auf Anhieb den Fragebogen so auszufüllen, dass alle Kriterien erfüllt waren. Durch einen unterstützenden Listungsprozess stellte dies jedoch kein Problem dar, da immer aufgezeigt wurde, was getan werden musste, um das Projekt doch noch listen zu können. Die Projekte hatten also Gelegenheit ihre Antworten/Projekte zu verbessern, um die Kriterien zu erfüllen. Der Median der Anzahl der Rückfragen betrug 5, d.h. 50% der Listungsanträge bekamen weniger als 5 Rückfragen, und 50% bekamen mehr als 5 Rückfragen. 

Wir konnten keinen Unterschied in der Anzahl der Rückfragen basierend auf dem institutionellen oder fachlichen Hintergrund feststellen, d.h. es wurden keine Institutionen oder Fachrichtungen benachteiligt. Die Kriterien waren also für alle gleich schwer oder leicht zu erfüllen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass wir einige Institutionstypen (Fachhochschulen, Bibliotheken, Stiftungen und die Österreichische Akademie der Wissenschaften) und auch Fachrichtungen (Medizin bzw. Gesundheitswissenschaften und technische bzw. Ingenieurwissenschaften) aufgrund der geringen Anzahl an Listungsanträgen nicht in die Analysen miteinbeziehen konnten. 

Die meisten Rückfragen (83) gab es bei einem bestimmten Kriterium, nämlich bei jenem, bei dem die Rollen und Aufgaben aller am Projekt beteiligten Personen beschrieben werden sollten. Bei den Antworten wurde dort häufig eine der beiden Personengruppen (professionelle Wissenschaftler*innen oder Citizen Scientists) vergessen. Jene Kriterien, die typisch für Citizen Science sind (z.B. die Einbindungsformen von Bürger*innen in ein Projekt) haben signifikant weniger häufig Rückfragen nach sich gezogen, als die Kriterien, die andere Aspekte der Projekte abdecken (z.B. die wissenschaftliche Fragestellung, die einem Projekt zu Grunde liegt).

Dementsprechend wurden in den Listungsprozessen häufig Themen der Transparenz, der Rollenverteilung, aber auch ethische Fragen zwischen Projektleiter*innen und Plattformkoordinator*innen diskutiert. 

Diese Diskussionen führten jedoch zu unterschiedlichen Reflektionen bei den Projekten, wie die Interviews mit den Projektleiter*innen zeigten. Sie machten sich durch diesen Listungsprozess Gedanken zu unterschiedlichen Einbindungsmöglichkeiten von Bürger*innen in die Projekte, zu Rollenverteilungen und zur transparenten Beschreibung dieser Rollen. Die Kriterien halfen vereinzelt auch dabei, Citizen Science besser zu verstehen. Insgesamt wurde der Listungsprozess als zeitaufwändig, aber nützlich empfunden. 

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die Citizen Science Gemeinschaft und für Österreich forscht?

Unsere Studie konnte aufzeigen, dass Kriterien für Citizen Science Projekte zwar aufwändig, aber dennoch nützlich sind und mit einem Listungsprozess, der auf Unterstützung setzt, gut umzusetzen sind und keine Institutionen oder Fachrichtungen benachteiligen. Dabei ist interessant, dass einige Aspekte, die eigentlich zentral für Citizen Science sind, dennoch manche Projektleitende vor Herausforderungen stellen, wie beispielsweise Transparenz in der Rollenverteilung im Projekt. Im Gegensatz dazu sind Kriterien für jene Projektleitenden, die zum ersten Mal ein Citizen Science Projekt durchführen, sehr hilfreich und helfen dabei, Citizen Science von konventionellen Formen von Forschung zu unterscheiden. 

Wo kann ich die Studie finden?

Die Studie ist im Journal Research for All bei UCL Press erschienen und kann dort kostenlos heruntergeladen werden. Ich freue mich auf Fragen oder Kommentare hier im Blog zu dieser Studie und beantworte diese gerne. 

Dörler, D., Kieslinger, B., Schäfer, T. & Heigl, F., (2026) "Five years of quality criteria for citizen science projects in Austria: a useful instrument or simply a burden?", Research for All 10(1). doi: https://doi.org/10.14324/RFA.10.1.6

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