Projekt AmphiBiom endet nach über zwei Jahren Laufzeit
Gemeinsam haben wir geforscht, beobachtet und dokumentiert – und dabei wertvolle Einblicke in die Welt der Amphibien und ihrer Laichgewässer gewonnen.
Zum Abschluss vom Projekt AmphiBiom wollten wir diese Projektzeit noch einmal aus der Perspektive jener betrachten, die das Projekt aktiv begleitet haben. Daher haben wir einige unserer Teichprofis gebeten, ihre Erlebnisse und Eindrücke aus den vergangenen zwei Jahren in Form kurzer Texte zusammenzufassen. Zwei dieser Rückblicke möchten wir nun mit Ihnen teilen. Sie geben einen kompakten Überblick darüber, was die Teichprofis während der Projektlaufzeit gemacht, beobachtet und gelernt haben – und zeigen, wie unterschiedlich und gleichzeitig ähnlich die Erfahrungen sein konnten.
Mit diesem Blogbeitrag verabschieden wir uns auch offiziell vom Projekt AmphiBiom und lassen die vergangenen zwei Jahre Revue passieren. Gleichzeitig möchten wir uns herzlich bei den Leserinnen und Lesern des Blogs von Österreich forscht für ihr Interesse bedanken. Ein besonderer Dank gilt allen Teichprofis des Projekts AmphiBiom für ihre kontinuierliche Unterstützung und ihr Engagement über die gesamte Laufzeit hinweg.
Im Folgenden finden Sie zwei persönliche Geschichten aus der Projektzeit – erzählt von zwei Teichprofis, die AmphiBiom über zwei Jahre begleitet haben.
„Was gibt's heute im Teich Neues?" – Mein Weg zur Hobby-Forscherin im eigenen Garten
Ich habe zum ersten Mal über das Projekt in den Medien erfahren. Als naturinteressierte Person – nicht zuletzt aufgrund meiner Ausbildung in Geografie – war sofort klar: *Da möchte ich mitmachen.* Mit einem eigenen Garten hatte ich die perfekte Gelegenheit, etwas Neues zu entdecken, Erfahrungen zu sammeln und sogar ein bisschen mitzuforschen. Schon in den Jahren davor habe ich immer wieder Wechselkröten in meinem Garten gesichtet, aber einen eigenen Teich hatte ich bis dahin noch nie angelegt.
Der Weg zum eigenen Forschungsteich
Die Anlage des Teiches war dann doch komplizierter als erwartet. Beim Ausheben der Erde stießen wir auf eine Leitung der Unterwasserbewässerung, die mit einiger Mühe verlegt werden musste. Erst danach konnte die Teichschale endlich versenkt und gefüllt werden. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Von da an bin ich täglich zum Teich gegangen – in der Hoffnung, die ersten Bewohner zu entdecken.
Und tatsächlich: Im März 2024 war es soweit. Eine Wechselkröte! Die Freude war riesig. Besonders schön war, dass das AmphiBiom-Team gemeinsam mit einer Journalistin vom *Falter* zu Besuch kam. Sie führten mit mir ein Interview über diese offenbar erste Sichtung im Rahmen des Projekts. Ein bisschen stolz war ich dann natürlich schon, als mich Arbeitskollegen und Freunde auf den Artikel ansprachen und wissen wollten, welche Forschung da eigentlich stattfindet.
Keschern, Staunen und Lernen
Für mich war es unglaublich spannend zu sehen, welche Kleinstlebewesen ich beim Keschern entdecken würde. Viele davon hatte ich vorher noch nie wahrgenommen. Manche waren ganz schön flink – und sie in das Röhrchen zu bekommen, war nicht immer leicht. Auch war es anfangs nicht so einfach, mit dem Gedanken umzugehen, dass die Proben für die Forschung sterben würden. Doch insgesamt hat die Prozedur gut funktioniert – ebenso das Hochladen der Fotos in die App.
Auffällig fand ich, dass das Wasser im ersten Jahr weniger trüb war und deutlich mehr verschiedene Kleinstlebewesen zu sehen waren als im zweiten. Dennoch gab es immer wieder besondere Momente: Ich konnte sogar Molche und Springfrösche entdecken.
Für die Wintersaison ließ sich der Teich problemlos entleeren. Zusätzlich habe ich ein kleines Brett mit Stufen gebastelt, damit Tiere, die versehentlich hineinfallen, wieder herausklettern können.
Warum sich Mitmachen lohnt
Es freut mich sehr, dass ich einen kleinen Beitrag leisten konnte – einerseits zur Unterstützung solcher Forschungsprojekte und andererseits, um die Verbreitung der Wechselkröten zu fördern und ihren Lebensraum zu verbessern.
Ich kann wirklich jede Bürgerin und jeden Bürger ermutigen, sich bei passenden Projekten zu engagieren. Erst wenn man selbst mitmacht, versteht man viele Zusammenhänge besser und bekommt ein Gefühl dafür, wie es um unsere Umwelt steht.
Die Kommunikation mit dem Forscherteam war stets professionell, freundlich und motivierend – ein weiterer Grund, warum ich das Projekt jederzeit wieder unterstützen würde.
Und jeden Tag blieb die spannende Frage:
„Was gibt's heute im Teich Neues?"
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Susanne Ecker (Amy)
November 2025
Über das Projekt „AmphiBiom"
Vorgeschichte
Seit einigen Jahren bewohnen mein Partner und ich einen alten Hof in der Oststeiermark; seither mit wilder Hecke, Totholz, nachgesetzten Obstbäumen, romantischer Mahd mit der Sense, Heumandln und viel Freude über die Vielfalt rund ums Haus. Die allererste BirdLife-„Stunde der Wintervögel" dort war mit einem Buntspecht zwar überschaubar, aber jedes Ergebnis ist schließlich ein Ergebnis. Seither ist diese Vogelbeobachtung Anfang Jänner ein Fixpunkt im Jahr. Über die von der BOKU-koordinierte „Roadkill"-App melde ich tierische Opfer des Straßenverkehrs ein. Soweit unsere bisherigen Erfahrungen mit citizen science.
Dann lese ich 2023 vom Projekt „AmpiBiom". Vielleicht hat unsere Fläche ja Potential? Ab und zu gibt es ja Erdkröten in der Wiese, und im nahen Wald steht nach dem Regen Wasser, also wer weiß. Im November folgen tatsächlich die Zusage und das Teichpaket. Ein passender Platz ist bald fixiert, die Schale versenkt. Im Dezember dann, mitten im Warten, findet eine Arbeitskollegin eine quicklebendige, eindeutige Wechselkröte! Zwar gute vier Kilometer Luftlinie entfernt, aber immerhin. Ich bin gespannt.
Das erste Teichjahr (2024)
Die erste Beobachtung nach dem Befüllen: Die Kokosmatten-Ausstiegshilfe zieht sehr viel Wasser, ich komme mit der Gießkanne kaum nach. Flach auflegen und mit einem flachen Stein beschweren statt eingraben wird zur Lösung für beide Teichjahre.
Sonst beginnt die Saison gemütlich. Die Sicht ist bis zum Boden ist klar, das Wasser ohne erkennbare Tiere.
Mit April eine erste Trübung, im Probenteller gibt es plötzlich etliche Larven und einen ersten kleiner Käfer! Die Beschriftung des Proberöhrchens ist etwas kryptisch, nochmal die Anleitung lesen, passt.
Der Mai bringt enorm viele Mückenlarven, das kann ja heiter werden, und eine erwachsene Eintagsfliege, die zugewandert sein muss. Ende Mai: Deutlich größere Käfer, die vor der Pinzette flüchtend durch den Teller sausen.
Anfang Juni: Sehr viele Mückenlarvenhäute, sie dürften also schon unterwegs sein...
Juli: Das Wasser ist deutlich grün, mit vielen ertrunkenen, schwer fassbaren Nacktschnecken, besonders rund um die Kokosmatte. Kommen sie da nicht hoch? Ein Wasserläufer läuft für ein paar Tage auf der Oberfläche herum und ist dann verschwunden. Er bleibt der einzige in diesem Jahr.
August: Dicker Bodensatz am Grund, noch mehr Nacktschnecken, im Teller Mückeneier-Schiffchen und etliche -Larven. Neu sind recht große und sehr aktive Großlibellenlarven, denen man beim eifrigen Beutemachen zuschauen kann, am Rand sitzt alle paar Zentimeter eine. Vögel trinken gern am Wasser, die eigentliche Vogeltränke wird seit der Teichschale ignoriert.
Anfang Oktober gibt es eine Vorab-Info durch das Projektteam zu den Monitoring-Ergebnissen. Unser Standort hatte (ohne das letzte Probenröhrchen) Gelsen, Käfer, Zuckmücken und einen Springschwanz gezeigt. Die ausführliche Online-Abschlussbesprechung Ende Oktober geht tiefer ins Detail, anderswo waren auch Amphibien und -Laich gemeldet worden (wäre auch bei uns nett gewesen, ich gebe es zu :)).
Es folgt das Auslassen der Teichschale mittels Kübel mit sicher 50, 60 Libellenlarven. Ab in die Winterpause.
… und das zweite (2025)
Zweite Februarhälfte: Die Teichschale wird eingelassen, alles ist bereit.
Anfang März: Die Oberfläche ist vereist, noch tut sich nichts. Ab Mitte März: Der Grund ist jetzt schon nicht mehr sichtbar, im Teller finden sich ein paar Mückenlarven und kleine Käfer.
Auch im März, aber abseits der Teichschale: Fund einer verdächtig gemusterten, leider überfahrenen Kröte unweit der Stelle vom Dezember 2023 (s. o.). Der Roadkill-Eintrag dazu wird als Wechselkröte bestätigt. Es gibt sie also, aber jetzt eine weniger...
April: Saharastaub ist in aller Munde und in der Teichschale, die rote Farbe legt sich ein paar Tage später. Ein Wasserläufer an der Oberfläche, wenige Mückenlarven im Teller.
Mai und Juni: Im Wasser und im Teller ist recht wenig los, ein paar rote „Würmchen", ein paar Mückenlarven, ein paar kleine Käfer.
Juli: Wasserläufer flitzen über den Teich. Wasser sehr trüb mit hohem Bodensatz. Es ist nicht leicht, den Kescher so zu führen, dass der Probenteller nicht zugeschwemmt wird.
August: Der erste Rückenschwimmer der beiden Jahre, die erste Großlibellenlarve aus diesem! An der Oberfläche tummeln sich Wasserläufer in allen erdenklichen Größen, in den Kescher schafft es kaum einer.
Ende August: Plötzlich nur noch wenige Wasserläufer, im Teller ein paar wenige Käfer. Aber dann fliegt eine Libelle Runde um Runde und werkelt an der Kokosmatte herum. Noch dazu taucht ein Frosch aus der Tiefe auf. Subjektiv ein Highlight, leider nur an diesem und dem nächsten Tag, danach bleibt er verschwunden.
Fazit und Ausblick
„Wir können euch Kaulquappen mitbringen." Über beide Jahre musste ich mehrere Angebote ausschlagen, zugleich aber auch die Gelegenheit, das Projekt und das Prinzip „citizen science" an sich zu erklären.
Dass die Auswertung mit den teilnehmenden Personen geteilt wurde, war sehr spannend und wertschätzend. Vielen herzlichen Dank an das Projektteam!
Ich hätte nicht gedacht, dass eine neue Wasserfläche so schnell besiedelt wird, und es ließ sich sehr gut Zeit mit Beobachten verbringen. Die Unterschiede zwischen den zwei Jahren waren deutlich: Im ersten gab es viele Libellenlarven, im zweiten unzählige Wasserläufer. Ein Rätsel blieb, wie derart viele Nacktschnecken an Kokosmatte ertrinken konnten. Einziger Wermutstropfen: Es kostete Überwindung, die robusteren Insekten im Probenröhren schwimmen zu sehen, bis der Alkohol wirkte. Die zuerst befürchtete Gelsen-Plage blieb übrigens aus.
Nächstes Jahr planen wir einen kleinen Zierteich als Ausweichplatz für alles, was mehr als eine Saison und auch ein bisschen Bepflanzung braucht. Die AmphiBiom-Teichschale wird nächsten Februar für potenzielle Wechselkröten neu befüllt, vielleicht kommen sie ja nach dem Motto: Wenn keiner hinschaut...
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Deborah
05.12.2025
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Kommentare 2
Liebe Susanne, liebe Deborah,
vielen, vielen Dank für diese zwei wunderbaren Blogbeiträge!! Es ist unglaublich schön zu lesen, dass ihr durch die beiden Jahre, mit alle ihren Freuden und auch manchmal mühseligen Momenten, so viel Spass hattet in unserem Projekt!!
Gemeinsam zu Forschen heißt ja nicht nur gemeinsam Daten zu sammeln und Konzepte zu entwickeln, sondern schlicht und einfach auch Freude an dem zu haben was man (täglich) macht.
Wir sind sehr gespannt, wie sich eure Teiche weiter entwickeln und ob (wieder) Amphibien einziehen werden.
Liebe Grüße vom gesamten Team AmphiBiom!
Janette
Es hat wirklich viel Freude gemacht bei euch "dabei" zu sein und ich werde jedenfalls mit Interesse und Euphorie weiter "meinen" Teich betreuen und beobachten und melden wenn's was spannendes gibt.
Viel Erfolg weiterhin beim wissenschaftlichen Forschen wünscht euch
Susanne (Amy)