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Kodieren Probieren: Wie Jugendliche selbst zu Forschenden werden

20260212_0361 (c) Bettina Pospisil

Während in der Wachau die ersten Marillenblüten auf den nahenden Frühling hinweisen, schreitet auch das Projekt YCSAD immer weiter voran. Im Arbeitspaket 3, in dem wir uns auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Desinformation fokussieren und die Jugendlichen selbst an wissenschaftliche Methodik heranführen, fanden nun auch die letzten Workshops in den Schulen statt. Mitte Februar und Anfang März besuchten wir die HLW Tulln, das BRG Krems Ringstraße und die HTL St. Pölten. Für mich waren diese, aus diesem Arbeitspaket letzten, zugleich auch die ersten Workshops in den Schulen, und im Nachhinein bin ich begeistert, wie stark sich die Jugendlichen engagierten und mit den Materialien auseinandersetzten.

Erinnern wir uns an die Vorarbeit: Im letzten Jahr haben wir den Schüler:innen Karten gegeben, anhand derer sie in Kleingruppen intensiv Einstellungen zum Thema Desinformation diskutierten. Diese Diskussionen haben wir aufgenommen und akribisch (und selbstverständlich anonymisiert) transkribiert. Das Ergebnis waren mehrere Stunden Audioaufnahmen, aus denen fast 40 Seiten bereinigter Transkripte entstanden. Berücksichtigt wurden dabei jene Diskussionsanteile, in denen Desinformation auch wirklich im Mittelpunkt stand. Auf dieser Grundlage sind wir selbst ins induktive Coding eingestiegen und haben die Kodes und Themen identifiziert, die in den Diskussionen am zentralsten waren. Diese haben wir auf einem digitalen Whiteboard festgehalten.

(c) Bettina Pospisil

Aber wir wollten im Projekt über die klassische Analyse nur durch uns Wissenschaftlerinnen hinausgehen und auch das Verständnis der Jugendlichen selbst einbeziehen. Deshalb haben wir die übergeordneten Kodes herausgesucht und von jeder Schule die aussagekräftigsten Textstellen aufbereitet. So konnten die Schüler:innen selbst, ganz im Sinne von Citizen Science, tätig werden und das qualitative Kodieren anhand der Texte einer jeweils anderen Schule erproben.

Diese Workshoprunde hatte also zwei Ziele: Erstens ging es darum, unsere Methode weiter zu vertiefen und nach Paul und Palfinger (2020) die Kodes, die wir selbst erstellt hatten, mit den Ergebnissen der Jugendlichen abzugleichen. Dabei hatten sie auch die Möglichkeit völlig neue Kodes einzubringen und unsere zugrundeliegenden Gedankengänge zu erweitern oder in Frage zu stellen. Zweitens sollten die Jugendlichen auch selbst, ganz im Sinne von Citizen Science, zum Reflektieren angeregt werden und das wissenschaftliche Kodieren erproben.

Die Besuche in den Schulen selbst waren anregend und zeigten, mit wie vielen unterschiedlichen Perspektiven man sich qualitativen Texten nähern kann. Die Jugendlichen bekamen einen kurzen Überblick über den bisherigen Projektstatus, eine Einführung ins qualitative Kodieren und eine Übersicht über die von uns identifizierten Pre-Kodes. Damit ausgerüstet, untersuchten sie in Kleingruppen selbstständig die Texte einer anderen Schule, ordneten Kodes einzelnen Textstellen zu und vergaben sogar einige neue Kodes. Besonders beeindruckend war das Engagement der Schüler:innen, mit dem sie sich durch die Texte arbeiteten, obwohl die wörtlich transkribierten Passagen nicht immer leicht zu verstehen waren. Sehr erfreulich war außerdem die positive Rückmeldung zum Workshop-Design.

Im nächsten Schritt digitalisieren wir die Kodier-Ergebnisse der einzelnen Gruppen und pflegen sie in unsere bisherigen Kodierergebnisse ein. Auf dieser Basis werden wir Schlussfolgerungen für den weiteren Verlauf des Projekts ziehen, welche Themen und Aspekte die größten Diskussionspunkte für die Jugendlichen sind und wie diesen am besten begegnet werden kann. Das Ziel bleibt weiterhin, Jugendlichen dabei zu helfen, selbstbestimmt mit potenzieller Desinformation umzugehen und diese kritisch zu reflektieren.

(c) Bettina Pospisil
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