Igel in Wohngebieten schützen – was wirklich hilft
Durchgänge zwischen Gärten können Wildtieren, wie Igeln, das Leben retten. Pixabay Lizenz Ralphs_Fotos (https://pixabay.com/de/photos/igel-tier-wildtier-stacheliges-tier-5542998/)
Vergangenes Jahr (2025) wurde als Gewinner-Forschungsfrage von der Roadkill-Community gewählt: "Welche Schutzmaßnahmen können effektiv dazu beitragen, die Anzahl der überfahrenen Igel und Feldhasen in besonders betroffenen Gebieten zu reduzieren, und welche Akteure, sowie infrastrukturellen Lösungen sind für die Umsetzung geeignet?"
In diesem Blogbeitrag möchten wir euch den bisherigen Wissensstand zum Igel kurz zusammenfassen. Den Blogbeitrag zum Feldhasen haben wir vor zwei Wochen veröffentlicht.
Das Problem
Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass sich Igel-Roadkills vor allem an Wohnstraßen, Einfallstraßen und Kreuzungen mit mäßigem Verkehr häufen. Daten aus Österreich gibt es dazu noch nicht. Igel in solchen Gebieten nutzen häufig Straßenränder als Wanderungswege, besonders bei Dämmerung oder Regen. Am häufigsten werden Igel in Regionen mit 50% Siedlungsanteil und 50% Grasland/Weiden überfahren. Große Infrastruktur wie Zäune ist hier weder machbar noch finanzierbar, da sie die Alltagsnutzung von Gärten und Wegen behindern würde (Wright et al. 2020).
Praxistaugliche Alternativen für den Schutz von Igeln
Tempo-30-Zonen, Schwellen oder Fahrbahnverengungen können Kollisionen reduzieren. Besonders wirksam scheinen saisonale Limits ab Dämmerung oder Warnmarkierungen wie „Igelzone" zu sein. Gemeinden können das schnell umsetzen, ohne große Baumaßnahmen.
Auch technologische Ansätze werden getestet – etwa Sensor- oder KI-Systeme, die Tiere erkennen und Autofahrer warnen. Solche Systeme könnten künftig zusätzliche Sicherheit bieten (Anjali et al. 2025).
Einfache 13x13-cm-Durchlässe in Zäunen und Hecken schaffen ein Netz aus sicheren Wegen durch ganze Siedlungen. Kampagnen wie „Hedgehog Highway" in Großbritannien haben gezeigt, dass Nachbarschaften mit solchen „Highways" die Durchlässigkeit der Gärten für Igel spürbar steigern – Igel müssen seltener weite Straßen überqueren. Jede*r Gartenbesitzer*in kann starten, indem Lücken in Zaunplanken und Maschendrahtzäunen geschaffen werden (PTES 2026, Gazzard et al. 2021).
Hecken, Stauden und Wildblumenstreifen entlang von Nebenstraßen lenken Igel von Straßen weg und verbessern gleichzeitig ihren Lebensraum. In Neubaugebieten können solche Elemente im Bebauungsplan festgelegt werden (Dibiasi 2025).
Auch Wildlife-Korridore und verbundene Grünflächen sind wichtig, um fragmentierte Lebensräume wieder zu vernetzen. Studien zeigen, dass Igel besonders in Städten mit vielen Gärten und Parks leben (Turner et al. 2022).
Attraktive Unterschlüpfe und Futterquellen im Siedlungsinneren (z. B. Komposthaufen, Laubhaufen) halten Igel fern von Straßenrändern. Vermeiden Sie Futterstellen direkt an der Fahrbahn – das lockt sie erst richtig hin (Pro Igel e.V. 2025). Die "Natur im Garten GmbH" zeichnet auch "Igelfreundliche Gemeinden" aus, die konkrete Maßnahmen zum Schutz der Igel umsetzen. Darunter fallen unter anderem:
- Die Gemeinde integriert Trittsteine und Korridore zur Biotopvernetzung für den Igel in schon bestehenden Siedlungs- und Ortsbereichen.
- Bei neuen Siedlungs- oder Bauprojekten wird darauf geachtet in der Planung auch Grünelemente welche Lebensräume der Igel verbinden zu berücksichtigen (z.B. Hecken, Staudenrabatten, Wiesenelemente – Blumenrasen, Alleen mit Baumscheibenbepflanzung, usw.).
- Bei neuen Straßen- und Siedlungsprojekten werden unter der Straße an sinnvollen und geeigneten Stellen Igeltunnel (Röhre) eingeplant, z.B. zwischen Parks und Siedlungen.
Rolle von Bildung und Citizen Science
Aufklärungskampagnen und Citizen-Science-Projekte helfen, Igelbestände zu erfassen und Schutzmaßnahmen gezielt umzusetzen. Wenn Nachbarschaften gemeinsam Gärten vernetzen oder Verkehr beruhigen, steigt der Erfolg deutlich.
Die Studie „Achtung Igel!" ist Teil des Citizen Science-Projekts Roadkill der BOKU University und dem Museum Niederösterreich Haus für Natur. Die Studie setzt gezielt auf die Mitwirkung der Bevölkerung. Bürger*innen dokumentieren Wege, die sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zurücklegen, mittels Roadkill-App (iOS und Android). Die gesammelten Daten werden von Expert*innen des Projekts ausgewertet.
Haben Sie auch Ideen, wie Igel geschützt werden sollten oder haben Sie bereits Ihren Garten mit anderen Grünflächen vernetzt? Lassen Sie uns Ihre Ideen und Maßnahmen zum Schutz von überfahrenen Igeln auf der Straße in den Kommentaren wissen.
Neue Kooperationen
Unser neuester Kooperationspartner im Projekt Roadkill - der Wiener Tierschutzverein (Tierschutz Austria) - möchte mit seiner Initiative der Garten-Vignette Österreichs längste Igelstraße schaffen. Durch die Vernetzung von Gärten sollen Durchgänge für Igel und andere Wildtiere geschaffen werden, so dass diese erst gar nicht Straßen überqueren müssen.
Im Rahmen der Kooperation übernimmt Tierschutz Austria eine ergänzende praktische Rolle: Während überfahrene Tiere über die Roadkill-App dokumentiert werden und damit wichtige Daten für Forschung und Schutzmaßnahmen liefern, können lebend aufgefundene, verletzte oder verunfallte Tiere ins Tierschutzhaus Vösendorf gebracht werden. So verbindet die Zusammenarbeit wissenschaftliches Monitoring mit konkreter Hilfe für jene Tiere, die einen Unfall überlebt haben.
Eine gemeinsame Presseaussendung gibt detaillierte Auskünfte über die Kooperation.
Quellen
Anjali, K., Reddy, D. C., Prasanthi, B. V., Hussain, S. M., Veenadhari Ch, L., and Budithi, R. B. (2025). A Comprehensive Survey of Technologies for Wildlife Detection and Accident Prevention., in Proc. Int. Conf. Intell. Syst., Adv. Comput., Commun., ISACC, (Institute of Electrical and Electronics Engineers Inc.), 823–830. doi: 10.1109/ISACC65211.2025.10969239
Dibiasi, J. (2025). Habitat Use and Mortality Causes of Western European Hedgehogs (Erinaceus europaeus) in Urban Areas: A Combined Analysis of Field Surveys and Citizen Science Data for Conservation Recommendations. Dublin: Trinity College.
Gazzard, A., Boushall, A., Brand, E., and Baker, P. J. (2021). An assessment of a conservation strategy to increase garden connectivity for hedgehogs that requires cooperation between immediate neighbours: A barrier too far? PLoS ONE16. doi: 10.1371/journal.pone.0259537
Moore, L. J., Petrovan, S. O., Baker, P. J., Bates, A. J., Hicks, H. L., Perkins, S. E., et al. (2020). Impacts and Potential Mitigation of Road Mortality for Hedgehogs in Europe. Animals 10. doi: 10.3390/ani10091523
Natur im Garten GmbH (2026). Igelfreundliche Gemeinde. Available at: https://www.naturimgarten.at/unser-angebot/gemeinden/wettbewerbe-und-auszeichnungen/igelfreundliche-gemeinde/articles/igelfreundliche-gemeinde.html (Accessed February 19, 2026).
Turner, J., Freeman, R., and Carbone, C. (2022). Using citizen science to understand and map habitat suitability for a synurbic mammal in an urban landscape: the hedgehog Erinaceus europaeus. Mammal Rev. 52, 291–303. doi: 10.1111/mam.12278
Wiener Tierschutzverein (2026). Garten-Vignette. Available at: https://www.tierschutz-austria.at/gartenvignette/ (Accessed July 7, 2026)
Wright, P. G. R., Coomber, F. G., Bellamy, C. C., Perkins, S. E., and Mathews, F. (2020). Predicting hedgehog mortality risks on British roads using habitat suitability modelling. PeerJ 7, e8154. doi: 10.7717/peerj.8154
Pro Igel e.V. (2025). Igelfreundlicher Garten: Lebensraum schaffen & schützen. Available at: https://www.pro-igel.de/igel-lebensraum-garten/igelfreundlicher-garten/ (Accessed February 16, 2026).
PTES (2026). Investigating the effectiveness of hedgehog highways - PTES. People's Trust for Endangered Species. Available at: https://ptes.org/success-stories/investigating-the-effectiveness-of-hedgehog-highways/ (Accessed February 16, 2026).
Kommentare 2
Ganz super Jeanette!!!!!
Vielen Dank, liebe Susanne