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Blogbeitrag: „Inside Trading Cultures“ Projekt mit Vorbereitungsworkshops zur BürgerInnen Ethnographie der Frankfurter Buchmesse gestartet

Gruppenbild (c) by Christoph Musik

„Inside Trading Cultures“ Projekt mit Vorbereitungsworkshops zur BürgerInnen Ethnographie der Frankfurter Buchmesse gestartet

In dem vom FWF in der Programmlinie Top Citizen Science geförderten Projekt „Inside Trading Cultures“, was man mit „Innensicht von Handelskulturen“ übersetzen könnte, sind BürgerInnen aus St. Pölten und Umgebung Teil von sozialwissenschaftlicher Forschung des Instituts für Medienwirtschaft der FH St. Pölten auf der Frankfurter Buchmesse 2017. Das Projekt untersucht mit ethnographischen Feldforschungsmethoden die Rolle und Bedeutung von jährlich stattfindenden internationalen Handelsmessen im globalen Buchmarkt. Die Frankfurter Buchmesse als größte Messe ihrer Art nimmt dabei eine besondere Stellung ein und steht deshalb im Zentrum des Projekts.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren achtet auf Diversität

Da für die Feldforschungsreise nach Frankfurt nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen und ein starker und nachhaltiger Partizipationsgrad im Projekt angestrebt wurde, konnten sich Bürgerinnen und Bürger bis zum 31. März 2017 zur Teilnahme am Projekt bewerben. Voraussetzung war ein grundsätzliches Interesse an den Themen Literatur und Buch bzw. der damit verbundenen Frage, wie internationale Buchmärkte oder Mediensysteme funktionieren. Die interessierten BürgerInnen mussten zudem einen kurzen Beitrag zu der Frage „Welche Rolle spielen Bücher in der heutigen Medienwelt?“ verfassen. Bei der Auswahl der TeilnehmerInnen durch die beteiligten SozialwissenschafterInnen wurde auf die vielfältigen Hintergründe (etwa bzgl. Alter, Geschlecht oder Herkunft) geachtet, da das Ziel des Citizen Science Projekts eine „Ethnographie aus unterschiedlichen Blickwinkeln“ ist. Dabei geht es vor allem darum, die komplexe gesellschaftliche Realität auf der Buchmesse unter Einbindung von Personen mit unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungshorizonten in allen Phasen des Forschungsprozesses (v. a. Beobachtung auf der Buchmesse, Analyse, Schreibprozess) zu erreichen.

Erster Workshop: Kennenlernen, Organisieren und eine Einführung in Medienwirtschaft und Buchmarkt

Beim ersten von zwei vorbereitenden Workshops an der FH St. Pölten im Mai 2017 hatten die zwölf mitforschenden BürgerwissenschafterInnen und die beteiligten SozialwissenschafterInnen die Möglichkeit sich untereinander kennenzulernen und über das Citizen Science Projekt auszutauschen.

Neben der konkreten Planung der gemeinsamen Feldforschungsreise zur Frankfurter Buchmesse im Oktober stellte zunächst Andreas Gebesmair das Dachprojekt „Trading Cultures.“ Eine Ethnographie von Handelsmessen für TV, Musik und Bücher vor, in welchem die Rolle von Content Handelsmessen vergleichend für drei Branchen der Medienindustrie untersucht wird. Anschließend präsentierte Christoph Musik die zentralen Ideen und Anliegen des Citizen Science Projekts „Inside Trading Cultures“, welches eine Erweiterung des Dachprojekts darstellt.

Im Hauptteil des ersten Workshops drehte sich alles um die Medienwirtschaft mit einem Fokus auf die Buchbranche und die Bedeutung der Buchmessen. In einem interaktiven Vortrag vermittelte Astrid Ebner-Zarl zentrale Strukturen, Akteure und Entwicklungen des Buchmarkts und gab einen Überblick über die wichtigsten Buchmessen und deren Geschichte. Immer wieder brachten sich die mitforschenden BürgerwissenschafterInnen, die zum Teil selbst in der Buchbranche (vor allem in Handel und Bibliothekswesen) tätig sind oder waren mit ihren eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen ein, sodass eine lebhafte Diskussion entstand und sich auch neue für die Forschung relevante Fragen herauskristallisierten.

Zweiter Workshop: Methodische Vorbereitung auf die Feldforschung

Beim zweiten Workshop „Einführung in die Ethnographie für BürgerwissenschafterInnen“ stand die methodische Vorbereitung für die Feldforschung auf der Frankfurter Buchmesse im Vordergrund, es drehte sich dabei alles um den Forschungsstil der Ethnographie und ihre konkreten Methoden.

Selbst die Rolle des „Teilnehmenden Beobachters“ einzunehmen, also gleichzeitig in konkreten sozialen Situationen teilzunehmen und dabei analytisch angeleitet zu beobachten was dort passiert, kann ganz schön herausfordernd sein. Im Rahmen des Workshops versuchten sich die BürgerwissenschafterInnen des Projekts zur Vorbereitung auf ihre Forschungsreise zum ersten Mal in der Feldforschung. Mit Block und Stift ausgerüstet versuchten die TeilnehmerInnen zu beobachten und zu beschreiben, was im Stadtzentrum von St. Pölten an einem Samstag Vormittag tatsächlich passiert. Doch das ist gar nicht so einfach, denn wie lässt sich Beobachtetes und Erlebtes adäquat und den gesellschaftlichen Realitäten entsprechend möglichst „objektiv“ festhalten und wiedergeben?

Diese und weitere Fragen standen bei der anschließenden gemeinsamen Reflexion im Vordergrund. Dabei zeigten sich bereits erste Vorteile des Ansatzes einer „Ethnographie aus unterschiedlichen Blickwinkeln“: Durch die hohe Anzahl und die unterschiedlichen Strategien der BeobachterInnen konnten nicht nur die verschiedenen Orte und Ecken des Stadtraumes quasi gleichzeitig berücksichtigt und gegenseitig in Bezug zueinander gestellt werden, es konnten auch widersprüchliche Wahrnehmungen festgestellt und diskutiert werden.

Aufbauend auf die umfassende und erkenntniserzeugende Reflexion präsentierte Christoph Musik den TeilnehmerInnen Forschungsmethoden und –strategien der Ethnographie, die ihre Wurzeln vor allem in der Kultur- und Sozialanthropologie, aber auch in der Soziologie der sogenannten „Chicago School“ hat. Grundbegriffe, Herausforderungen und konkrete Vorgehensweisen der Methode wurden vorgestellt und erläutert. Zum Abschluss des Workshops ging es darum, den innovativen Ansatz einer Ethnographie der verschiedenen Blickwinkel zu konkretisieren und auf die bevorstehende Feldforschung in Frankfurt anzuwenden.

Im September wird es vor der Feldforschungsreise zur Frankfurter Buchmesse ein weiteres Treffen aller Projektteilnehmer geben, um offene und organisatorische Fragen abklären zu können. Unmittelbar nach der Feldforschung finden zudem zwei weitere Workshops zu Analysestrategien und zum ethnographischen Schreiben statt, welche die Analyse- und Disseminationsarbeit in weiterer Folge des Projekts unterstützen sollen.

Projektwebsite:

https://mitforschen.fhstp.ac.at/

FWF Dachprojekt Trading Cultures:

http://fhstp.ac.at/tradingcultures

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Gelesen 364 mal| Letzte Änderung am Dienstag, 05 Dezember 2017 12:25